Nazis erwünscht?

Gerade bin ich auf die so genannte „Courage im Wirtshaus“ -Kampagne unserer lokalen Bürgerinitiative gegen Rechts gestoßen.

Ich hatte schon früher davon gehört, ein Kumpel von mir hatte beim designen des Logos mitgeholfen.
In der besagten Kampagne soll es darum gehen, dass sich „Wirtshäuser“ gegen rechtsextreme Parolen bekennen. Aha. Beim weiterlesen wird aber doch so einiges klar: gemeint sind nur „öffentlich gesprochene Worte, die gegen die Demokratie gerichtet sind oder andere Menschen erniedrigen, verurteilen oder verachten.“
Aber, hey, nicht falsch verstehen. Nazis dürfen trotzdem kommen. Um diese ganz besonderen zahlenden Gäste nicht zu verschrecken wird extra darauf hingewiesen dass „auch in den beteiligten Gaststätten jeder Mensch willkommen“ ist. „Selbstverständlich“ darf man im „privaten Kreis“ rassistische und antisemitische Hetzte äußern. Nur laut werden darf’s nicht. Die Begründung finden wir auch auf dem Werbeflyer: „Würde unser Landkreis als Region rechtsextremer Aktivität bekannt, würde dies auch der Wirtschaft und noch mehr dem gerade Fuß fassenden Tourismus massiv schaden.“

Achso, jetzt wird einiges klar. Natürlich geh es nicht (vorrangig) um MigrantInnen, JüdInnen und andere Menschen, die potentiell von rechtsextremer Gewalt betroffen sind, sondern um das Image des Landkreises.

Also, liebe Nazis, alles halb so wild, ihr könnt die „national befreite Zone“ auch in den beteiligten Gaststätten planen, ihr dürft nur nicht zu laut werden. Und die Aktionen dürfen nicht überregional bekannt werden, das wäre schlecht für das Image!

Ich glaub, die Kampagne wird ihr Ziel nicht verfehlen. Das lautet schließlich „Dieses Projekt soll etwas zum Mühlhäuser Klima beitragen“. Ein Klima in der zwar (Rechts-)„extremismus“ verpönt ist, aber doch alle etwas gegen Ausländer haben. In der man es zwar schlimm findet, wenn jemand zusammengeschlagen wurde, aber noch schlimmer, das dieser Vorfall dem Image der Stadt schadet. Am allerbesten nicht sehen, nichts hören, nichts (laut) sagen.

Nichts sehen, nichts hören, nichs sagen

Ostdeutsche Provinz, ich werde dich nicht vermissen!