Ziemlich verloren

Das 3K, das (Jugend-)Theater in Mühlhausen, hat ein neues Stück auf dem Plan, das ich mir Mittwoch gleich zur B-Premiere angeschaut habe.
Hikikomori 3K
Das Spiel heißt „Hikikomori“ und ist eine Momentaufnahme von einem Jungen, der sich komplett aus der Welt zurückgezogen hat und sein Leben nur noch in seinem Zimmer mit seinem Computer verbringt.
Das 60-minütige Solo Stück wirkt von Anfang an düster, surreal und abstrakt.
Es ist an sich ziemlich gut, aber begeistert war ich trotzdem nicht. Es hat allerdings einige Zeit gedauert bis ich herausgefunden habe, was mir gefehlt hat.

Wer vorher weiß, worum das Stück handelt und sich über die Thematik schon einmal ein wenig Gedanken macht, dem erzählt Hikikomori nichts Neues.
Dem Zuschauer wird zwar während der ganzen Zeit eindrucksvoll gezeigt, wie stark der Protagonist leidet, untermalt mit grandiosen Bild und Toneffekten und guter Schauspielersicher Leistung.
Aber über dieses Leiden (was man vorher schon erahnen konnte) hinaus fehlt es an gewitzten Denkansätzen, provokanten Fragestellungen oder unerwarteten Momenten. Das Stück wird vorhersehbar.

Das zweite Problem ist, das das Stück sehr eindimensional ist, wie ich finde. Der Junge geht bewusst in die Isolation, teils weil ihn Gesellschaft mit ihren Zwängen nicht anspricht aber auch aus selbstverletzendem Verhalten.

Nun ist aber klar, dass nicht jeder Nerd und Computerjunkie psychisch krank und sozialophob ist.
Gerade vor dem Hintergrund der Debatte über Computerspiele (Pfeiffer: „manche Jugendliche spielen länger Online-Spielen als sie in der Schule sitzen.“) wäre doch einmal eine Differenzierung nötig.
Kann es nicht auch sein, das Menschen glücklich sind, wenn sie sich in ihre eigne digitale Welt zurückziehen? Oder dürfen sie das nicht? Wie viel „darf“ ein Mensch in seiner eigenen Welt leben, wie viel muss er in der realen Welt funktionieren?

Dadurch dass der Drehbuchautor Holger Schober so eine extreme Peron und Situation ausgewählt hat, bleiben diese Fragen auf der Strecke.

Das Stück ist vielleicht für Eltern und Sozialpädagogen als Sensibilisierungsmaßnahme geeignet aber um eine konstruktive Debatte um dieses „Tabu- Thema“(TA) anzustoßen eher nicht.

Des Weiteren hab ich erfahren, dass ich wahrscheinlich besser in die A-Premiere am Dienstag gegangen wäre, denn da soll die Aftershow Party bedeutend besser gewesen sein. ^^