Archiv für April 2009

Ein Gespenst geht um in Europa…

….das Gespenst der sozialen Unruhen. Und die heilige Hetzjagd hat auch schon begonnen. Den Anfang machten Möchtegern-Bundespräsidentin Gesine Schwan (SPD) und DGB Chef Sommer letzte Woche, als sie anfingen vor möglichen sozialen Unruhen als Reaktion auf die Wirtschaftskrise zu warnen. Kurz darauf hallte ihr Echo durch die deutsche Politik- und Medienlandschaft. Noch-Bundespräsident Horst Kohler (CDU) widersprach Schwan energisch, im Land der Sozialpartnerschaft würde es doch nicht zu Unruhen kommen und man solle sie nicht heraufbeschwören.
Schlagzeilen machte schließlich noch der NRW-Landesverband der Linkspartei, als er zu sozialen Unruhen aufrief.

Grund genug sich einmal kurz mit dem Thema zu beschäftigen. Was ist unter sozialen Unruhen zu verstehen? Könnte es wirklich dazu kommen? Und vor allem: Wäre das positiv oder negativ?

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Erfurt bleibt unruhig

Nachdem das besetzte Haus von Spezialeinheiten der Polizei geräumt wurde, gab es Kritik von verschieden Seiten. So sprach die Linkspartei u.a. von unnötiger Gewalt und dass man die Möglichkeit verspielt habe, ein alternatives Jugendprojekt zu förden. Diese Einsicht kommt reichlich spät, so hatten die Besetzer/innen über Jahre hinweg ohne einen Cent staatliche Unterstützung einen Ort aufgebaut, der sich in ganz Thüringen in dieser Form nicht nocheinmal finden lässt. Das es jetzt von Spezialeinheiten, die man nach ihrem Aussehen eher in Counter Strike oder Half Life vermutet und nicht in einem alten Haus in dem sich 6 Linke anketten haben um nicht vertrieben zu werden, ist kein immobilienrechtliches Missgeschick, sondern politischer Wille.
Das Arreal den Aktivisten zur Verfügung zu stellen hätte rund 170 000 Euro gekostet, der Polizeieinsatz ein Vielfaches davon. Selbst der Immobilienbesitzer Golla hat im Gegensatz zur Stadt Erfurt für eine friedliche Lösung Interesse gezeigt.
In Reaktion an die gewaltsame Räumung kam es in ganz Deutschland zu spontanen Aktion.
In Bad Langensalza, Berlin, Bremen, Chemnitz, Düsseldorf, Frankfurt, Gera, Giessen, Göttingen, Hamburg, Heiligenstadt, Ilmenau, Jena, Karlsruhe, Köln, Leipzig, Lübeck, Münster, Nürnberg, Nürtingen, Oldenburg, Potsdam, Rostock, Vaxjö, Weimar und Würzburg machten Aktivisten in verschieden Formen ihren Unmut deutlich.
In Erfurt kam es im Anschluss an die Räumung des soziokulturellen Zentrums zu zwei Spontandemonstrationen, einer Neubesetzung, die sofort wieder geräumt wurde und vereinzelte Angriffe auf eine Polizeistation und das Arbeitsamt.
Dafür, dass es jetzt zur Eskalation kommt, hat sich die Stadt selbst entschieden, ob brennende Polizeiautos und Mülltonnen jedoch die Stadt dazu bewegen an den Verhandlungstisch mit den (ehemaligen) Besetzern zurückzukommen ist fraglich.
Dazu fehlt es zum einen der Freiraumbewegung an der entsprechenden Durchschlagkraft und zweitens den meisten Politikern der Stadt an Einsicht. Nach den Geschehnissen der letzten Tage ist deutlich, dass diese wahrscheinlich lieber einen millionenschweren Militäreinsatz anfordern würden, als ein altes unbenötiges Gelände zur selbstverwaltenden sozialpolitischen Nutzung freizugeben.

Soli-Demontstration Berlin
Spontan Demonstartion in Berlin


Ungenutztes Alternativgebäude in Erfurt kurzzeitig besetzt


„Polizei“ vor dem (ehemailgen) besetzten Haus

Black Ops
Wer kennt die Black-Ops aus Half Life 1?

Counter Strike
„Polizei“ im besetzten Haus

Besetztes Haus Erfurt geräumt


Wie bereits heut vielfach durch das Radio und andere Medien berichtet, wurde heute das „Besetzte Haus Erfurt “ durch mehrere hundert Polizisten aus Thüringen, Sachsen und Bayern geräumt.
Das schwer bewaffnete Spezialkommando der Polizei stürmte um 5:45uhr diesen morgens das Haus.
Zum Zeitpunkt der Räumung befanden sich noch ca. 30 Besetzer/innen im Haus, 30 weitere organisierten eine friedliche Sitzblockade vor dem Tor des soziokulturellen Projektes.
Die Sitzblockade wurde jedoch nach kurzer Zeit geräumt und eine brennende Barrikade von einem Wasserwerfer gelöscht. Auch ansonsten konnten die Besetzer den Einsatzkräften der Polizei, die sich von zwei Helikoptern über dem Gebäude abseilten, nicht viel entgegensetzten.

Das „Besetzte Haus Erfurt“ gab es seit Ostern 2001. Damals besetzten linke Jugendliche das ungenutze und dem Verfall preisgegebene Objekt, richteten es wieder her und organieren seitdem in dem Haus viele Konzerte, Discos und Vorträge. Auch gibt gab es eine Bibliothek, mehrere Proberäume und einen Umsonstladen.
Weiterhin wohnten über 30 Menschen in dem Projekt und dem angrenzenden Wohnwagenplatz. Das Haus war immer Anlaufpunkt für sozialpolitische und linke Gruppen.

Wichtig war für die Besetzter_innen auch die Geschichte des Gebäudes. Es befand in dem ehemaligen Firmenkomplex der Firma Topf&Söhne, welche im Nationalsozialismus Brennöfen für Konzentrationslagen herstellte. Die Besetzer/innen orgeniserten regelmäßig Führungen und Vorträge zu der schrecklichen Geschichte und Bedeutung des Geländes, richteten sogar eine Internetseite ein und forderten immer wieder eine Gedenkstätte.

Im Jahre 2007 erwarb das Gelände jedoch die Immobilienfirma „Domicil Hausbau GmbH“ aus Mühlhausen und plante das Gelände abzureißen.
Nach mehreren Demonstrationen und diversen Aktionen seitens der Besetzter lenkte der neue Eigentümer Helmut Golla jedoch ein und setzte auf eine „politische Lösung“. Die Stadt jedoch blieb hart, stellte den Besetzer/innen Strom und Wasser ab und drängte den Eigentümer das Gebäude räumen zu lassen.
Ein Angebot der Stadt ein Alternativobjekt bereitzustellen stellte sich jedoch als Farce heraus, da das angebotene Objekt, noch nicht einmal für alle Bewohner/innen Platz bot, von den Projekten ganz zu schweigen. Auch als die Besetzter/innen versuchten ein leerstehendes Alternativobjekte in der Hohenwinderstraße zu besetzten, zeigt die Stadt Erfurt kein Interesse an einer Fortführung des Projekts und drängte den Eigentümer im Gegenteil noch dazu nicht auf die Gespräche mit den Besetzer/innen einzugehen.

Nun wird das ehemalige besetzte Haus mit all seinen Projekten abgerissen und an seiner Stelle werden Wohnblocks und ein Supermarkt entstehen.

Videos zur Räumung:
http://www.youtube.com/watch?v=B1VafoOfUoc
http://www.youtube.com/watch?v=u7_PeRub-0U

Hier undenkbar…

Bolianischer Präsident im Hungerstreik

Boliviens linksgerichteter Präsident Evo Morales will seinen seit Tagen andauernden Hungerstreik bis zur Zustimmung der Opposition für ein neues Wahlgesetz fortsetzen. Die sagte Morales am Sonntag im staatlichen Fernsehen.

Seine konservativen Gegner wollten die Wahlen im Dezember verhindern, da sie wüssten, dass er zwei Drittel der Stimmen erreichen könne. Seine Rivalen seien «Rassisten, Faschisten und Egoisten», deren Handeln nicht hinnehmbar sei.

Morales ist am Donnerstag in den Hungerstreik getreten und schläft seitdem auch auf einer Matratze auf dem Fussboden des Präsidentenpalastes. Er verwies am Sonntag darauf, bereits als Gewerkschaftsführer einmal aus Protest 18 Tage lang keine Nahrung zu sich genommen zu haben.

via amistad

Hammerwochende

Es gibt Tage, da ist absolut nichts los, und dann wieder welche wo man sich am liebsten teilen würde. Die kommenden Tage zählen zu zweiterem.

Heute Abend geht’s erstmal zur Dead Disco nach Langensalza, da gibt’s Indie und Elektrorock vom feinsten.

Morgen, Freitag der 10.04:

Zum einen ist da eine hübsche Party im Juzi
- Dort gibt’s Erlebnisgastronomie deluxe:
„ Wir werden keine Mühen und Kosten scheuen, euch mitten in Göttingen (also sozusagen im Herzen der Bestie) eine Party zu präsentieren, auf der man das Gefühl hat, man wäre in einem Jugendzentrum das seit 27 Jahren in Hand von Autonomen ist.

Mit Liebe zum Detail und in tagelanger Vorbereitung werden wir schummrige, dunkle Räume erschaffen, in denen ihr zum assoziierten Flair veganer Volxküchen, verschwitzter Punks und vergilbten Politplakaten der letzten Jahrzehnte, feiern könnt.

Das Ganze zum topmodernen Sound von Mikkroklubbing und Tongut. Für die FreundInnen der etwas leichteren Musik gibts Pop/Soul/Funk zu Schirmchengetränken auf einem zweiten Floor.“

Hört sich sehr geil an, aber es kommt definitiv noch besser:

8 Jahre besetzt Festival im besetzten Haus Erfurt

undefinedNicht nur, das es auch so wichtig ist,das bedrohte Projekt zu unterstützen, legen die Techno-Götter von 1 Foot in da Rave auf. Torsun aka Nick Rave und Rampue lassen dann auch nochma solo die Plattenteller drehen und die Meute tanzen. Das wird fett…

Und als ob das nicht noch genug wäre gibt’s Donnerstagsfeierei (am Freitag, hää?) in der Gerber in Weimar. Techno, Elektro und Autonomes Zentrum….

Samstag dem 11.4 geht’s munter weiter: Im Theaterkeller in Göttingen heißt es mal wieder Sweatbox

„Sweatbox ist denglisch für Schwitzkasten – und schwitzen sollt ihr, wenn die DjAnes de_cay, *dnl* und toni_torpedo entlang der (zugegeben etwas krummen) Achse Hamburg-Berlin-Göttingen die Tanzdielen zum beben bringen.
Egal, was in eurer Blutbahn zirkuliert, bei 130bpm zirkuliert es gleich mal doppelt so schnell, und das äußert sich in zuckenden Bewegungen und nem fetten (Muskel-)Kater am nächsten Tag.
Musikalisch heißt der rote Faden House, aber wenn man so durch ist wie die drei, kann man auch schon mal den Faden verlieren und von Pop über Techno und Big Beat bis Crunk in alle möglichen und unmöglichen Gefilde der (elekronischen) Musik abschweifen. Hauptsache bassstark.
Und dass mit House nicht weiße Hosen und Testostyle gemeint sind, versteht sich ja wohl von selbst. Punk-Attitüde lautet hier das Stichwort. Statt Jazzhands gibts Mittelfinger, und statt Dresscode heißt es: Uns doch egal, wie ihr rumlauft! Morgens um 7 sehen dann ja eh wieder alle gleich scheiße aus. Und was will man mehr?“

Nur zu empfehlen, Toni Torpedo verzapft echt guten Scheiß!

Außerdem legt Heiko von Radio Top 40 in Mühlhausen auf.

Wer dann ab ca. 5:00uhr noch mehr möchte, kann ins Möbellager Erfurt fahren und dort bei 70 DJ’s auf was weiß ich wie vielen Floors abfeiern. Letztes Mal gings bis 18:00Uhr, also eine gute Sache, wenn man nach der Sweatbox Party noch nicht heim möchte.

Und wenn dann die Toren des Möbellagers schließen, ist es ja schon

Ostersonntag

Und da heißt es: Osterrave! mit Captain Capa und Egotronic im Rosenkeller Jena.
Am besten schon gleich nach dem Möbellager schnell was essen und dann nach Jena fahren, denn der Rosenkeller ist nicht groß und ich schätz mal die Sause wird ausverkauft werden.

Hm. Oder man bleibt in Erfurt und besucht den dritten Tag des 8-Jahre besetzt Festivals. Dort kann man ab 02:00Uhr meinen Kumpel Schildkröte aka DJ Android Dance an den Scheiben sehen bzw. hören.

Und bei all dem Feiern nicht vergessen: Das besetzte Haus ist akut räumungsbedroht! Und dort gibt es nicht nur fette Partys sondern es ist auch ein wichtiger Ort für linke Politik. Also:

Und jetzt bin ich erstmal off, ich muss schon mal vorschlafen. Hehe.