Archiv für Juni 2009

Wieder da

Ich war die letzten Tage auf dem Fusion Festival und ich kann echt nur sagen, dass es der Hammer war. Auch wenn einige meinen, dass es scheiße geworden ist, kann ich da nicht zustimmen. Es ist wunderschön und eindeutig das beste Festival, dass es gibt. Ich kenne kein anderes elektronisches Festival, wo so wenig Prolls herumlaufen und das auch noch einen verdammt guten politischen Anspruch hat. Und dass es Veränderungen gibt, kann man halt nie ausschließen. Gerade da linke Kultur so marktfähig ist. Und so viele Prolls, wie mancher hier heraufbeschwört, hab ich bei weitem nicht gesehen. Da sind vieleicht nur manche die sie sich kaum aus ihren Szenevierteln in Berlin und Hamburg herausbewegen echt verwöhnt.
Nur dass die Veranstalter keine Audiolith Bands mehr wollen, da der komische Chef diese als „antideutsche Keimzelle“(sic!) emfindet, finde ich ultrakrass. Was denkt sich der Idiot denn? Zumal religiöse Bands, wie die Jesus Skins und Halb-Antiimps wie Yok da waren. Ich hoffe, da wäscht dem Horst mal jemand die Füße…damit der Dreck aus dem Kopf nachrutsch.Naja, Renate und Plemo und Rampue waren trotzdem vor Ort *smile*

Jetzt bin ich aber wieder zurück und meine Ausreise rückt immer näher. Und damit wird sich auch in nächster Zeit einiges an meinem Blog verändern. Unter anderem das Design und der Informationsgehalt. Vorallem Berichte aus Bolivien, aber, da ich auch zwei Reisemonate habe, auch aus anderen Teilen Südamerikas. Ihr dürft gespannt sein.

Listen to this!

Und schon wieder was aus dem Iran. Ich weiß, diese Seite verkommt immer mehr zum Nahost-Blog, aber ich denke das es jetzt wichtig ist, den Iranerinnen und Iranern zur Seite zu stehen. Gegen das totalitäre Regime, was dort vorherscht, sind die Probleme innerhalb der EU ein Witz. Und in so einem Moment, der eine grundlegende Veränderung möglich macht, wie sie die letzten Jahrzehnte undenkbar wären, muss Solidarität das Gebot der Stunde sein.

Zu einem vertiefenden Verständnis der Situation im Iran gibt es hier ein Interview von Radio F.R.E.I mit Stephan Grigat unter dem Titel „Vom Auserwählten zum Gewählten?“

Desweiteren finden in Bremen, Stuttgart, Bochum, Düsseldorf, Berlin, Köln, Hannover, Dortmund, Hamburg, Münster, Nürnberg, Münster und Frankfurt Demonstrationen statt, die wichtig sind, um der iranischen Widerstandsbewegung symbolisch den Rücken zu stärken.
Desweiteren ist es notwendig, auf die Bundesregierung Druck ausüben die Pseudo-Wahl nicht anzuerkennen und uniliterale Sanktionen zu erlassen, die jedwede wirtschaftliche Beziehung zum Iran, bis Veränderungen eintreten, unterbinden.

Ach ja…Das hätt ich beinah vergessen.

Nicaraguanischer Revolutionär in Volkenroda

Ernesto Cardenal Heute abend noch nix vor? Dann ab ins Kloster Volkenroda, da ist nämlich der christliche Priester, Kommunist und Politiker Ernesto Cardenal aus Nicaragua live und in Farbe zu sehen. Der Gute macht nämlich gerade ne Europatour und ließt „über Liebe, Revolution, Gott und die Welt.“

Und nicht nur das. Begleitet wird er von der Musik-Gruppe „Grupo Sal“ die den Abend mit „lateinamerikanischer Musik, die indianische, afrikanische und europäische Wurzeln mit den neuesten Klängen der südamerikanische Metropolen verbindet“ bereichtert.

Der Spaß kostet 12 bzw. ermäßigt 9 Euro und beginnt 19:30Uhr im Kloster Volkenroda. Und wer keine Fahrgelegenheit hat kann 18:00uhr bei der Jungen Gemeinde Mühlhausen im Kristanplatz 1 vorbeischauen, die fahren da nämlich mit einem Bus hin.
Ich werde allerdings (auch als zukünftiger Südamerikaner) aus verschiedenen Gründen nicht hinfahren können.

In the streets of Teharan

Barrikade

für die einen ist es ein bus, für die anderen die wahrscheinlich größte barrikade der stadt.

HaHa!

via *im moment vorbei*

Unruhen im Iran

Gestern kam es im Iran zu den schwersten Unruhen seit über 10 Jahren. Grund dafür war der Ausgang der Wahlen und der Verdacht auf Wahlbetrug: Nach offiziellen Ergebnissen wurde Amtsinhaber Ahmadinedschad im Amt bestätigt was die Hoffnung auf Lockerungen im islamitischen Regime im Keim ersticken würde. Zurzeit ist es im Iran verboten Alkohol zu trinken, feiern zu gehen, bunte Klamotten anzuziehen und westliche Musik zu hören. Die Frauen leben unter dem Joch der Männer, die Presse ist gleichgeschaltet und die Revolutionsgarden verfolgen all jene die auch nur im kleinen Maße gegen die archaischen Gesetze verstoßen.
Ahmadinedschads Herausforderer Moussavi warb mit vielen Verbesserungen, seine Frau nahm aktiv am Wahlkampf teil, warb für freie Presse und Bürgerrechte und ließ sogar ein buntes Kleid unter ihrem Kleid durchschauen.
Die Aussicht auf weitreichende Reformen trieb die Wahlbeteiligung in die Höhe. Vor allem Studenten und junge Menschen wollten die Möglichkeit zum gesellschaftlichen Wandel nutzen. Als die offiziellen Stellen jedoch durchschauen ließen, das Ahmadinedschad angeblich entgegen der Prognosen weit vorne liege, hatten die Menschen anscheinend genug. Und liefen zu tausenden auf die Straße.

„Ich kann es nicht glauben, seit der Iranischen Revolution vor 30 Jahren haben wir nicht so frei demonstriert“, sagt eine Frau, die im Protestzug mitmarschiert. In ihren Sprechchören setzen die Teheraner den verhassten ehemaligen Monarchen und Präsident Ahmadinedschad gleich: „Egal ob Schah oder Arzt, Diktatoren sind sie beide.“ Dutzende Demonstranten filmen mit ihren Handys: Dieser historische Moment soll festgehalten werden.

Als die Geheimpolizei und Revolutionsgarde die Demonstrierenden angreift, passiert das Unglaubliche. Nach einem Moment des Schockes schlagen die Demonstranten/-innen mit Steinen und Holzlatten zurück:

Doch dann laufen die Menschen plötzlich auseinander: Die gefürchtete Revolutionsgarde fährt mit Motocross-Rädern in die Menge, rammt Menschen, die Männer treten um sich. Polizei zu Fuß knüppelt wahllos auf Unbewaffnete ein. Eine alte Frau wird von Uniformierten zu Boden geschlagen. Journalisten werden mit Schlagstöcken bearbeitet und getreten, auch das SPIEGEL-ONLINE-Team.
Die Polizisten greifen sich junge Männer aus der Menge, zerren sie unter Schlägen zu ihren Bussen. Geheimpolizisten haben die Hand am Gürtel: Jeden Moment können Schüsse fallen.
Die Masse weicht in Seitenstraßen aus, für einen kurzen Moment stehen die Menschen unter Schock. Dann passiert das Unerhörte: Die Demonstranten setzen zum Gegenangriff an. Junge Männer greifen sich Holzlatten, Wahlplakate und schlagen zurück. Alte Frauen hängen sich an die Beine Gefangengenommener, reißen sie der Polizei buchstäblich aus den Händen.
Viele in Iran haben die Gängelei satt
Treibjagden auf Geheimdienstler in Zivil beginnen: „Ihr Verbrecher“, schreien Frauen auf sie ein, während Männer sie zusammentreten. Ein alter Straßenfeger hebt einen Ziegelstein auf, er sieht den Tag der Abrechnung gekommen. Nur mit Mühe halten ihn Umstehende davon ab, sich in die Schlacht zu stürzen.“

via Spiegel gefunden bei waiting

Obwohl die Amtseinsetzung Moussavis zweifellose Vorteile für die dortigen Menschen brächte, grundlegende Veränderungen wären nicht zu erwarten. Nicht nur weil unangenehme Kandidaten für das Präsidentschaftsamt vom Revolutionsrat von vornherein ausgeschlossen wurden, sondern vor allem auch, weil die wahre Macht in dem islamitischen Gottesstaat nicht dem Präsident, sondern dem Revolutionsführer vorbehalten ist. Die Gültigkeit der Scharia und das iranische Atomprogramm blieben auch unter Moussavi unumstritten. Einen wirklichen Wandel würde nur ein grundlegender Umsturz im Lande herbeiführen. Es bleibt also zu hoffen, das der Widerstand im Iran bestehen bleibt, sich radikalisiert und letztendlich Erfolg hat. Neben der Solidarität für die Oppositionellen in Iran, sind auch wirtschaftliche Sanktionen längst überfällig. In diesem Zusammenhang möchte ich auf den Vortrag von Stephan Grigat zu seinem Buch„Der Iran. Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer“ (via Schildkröte) und die Kampagne „STOP THE BOMB“ verweisen. Also anhören --> unterschreiben --> die Menschen im Iran supporten!!!

Morgen: Frauen wählen!

Nach reichlichem Überlegen habe ich mich nun doch dazu entschieden, wählen zu gehen. Es ist nun einmal so, dass eine progressive post-kapitalistische Gesellschaft in naher Zukunft keine Realität werden wird. Und obwohl wählen wenig daran ändern wird, tut es das Nicht-Wählen auch nicht.
Und krasse Probleme wie der unmenschliche Umgang mit Flüchtlingen an Europas Außengrenzen verpflichten uns nun einmal dazu, fortschrittliche und humanistische Kräfte im Europawahl zu stärken, auch mit dem Wissen, das es an den großen Problem nichts ändern wird.

Diese Entscheidung getroffen, stand ich vor dem nächsten großen Problem: Wen wählen?
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Deutsche Zustände

Denkmal für NS-Opfer in Mittenwald abgeräumt | Affront gegen Überlebende und NS-Opfer

Heute, am 4. Juni 2009, hat die Marktgemeinde Mittenwald das an Pfingsten auf dem Bahnhofsvorplatz aufgestellte Denkmal für die NS-Opfer nur wenige Tage nach seiner Errichtung wieder abgebaut. Die Entfernung des am Pfingstsamstag enthüllten Denkmals ist ein Affront gegen die Überlebenden und die Opfer nationalsozialistischer Verbrechen. Das Denkmal, das bis heute auf dem Bahnhofvorplatzes in Mittenwald stand, trägt folgende Inschriften:

„In Trauer um die Opfer der Kriegsverbrechen, die im 2. Weltkrieg von Gebirgsjägern der deutschen Wehrmacht in ganz Europa begangen wurden.
In Gedenken der unter Beteilung der Gebirgstruppe deportierten und ermordeten Jüdinnen und Juden.
In Erinnerung an den Todesmarsch aus dem Konzentrationslager Dachau, der am 1. Mai 1945 in Mittenwald endete.
Dem Markt Mittenwald gestiftet am 30. Mai 2009 vom AK Angreifbare Traditionspflege. Die Steine stammen aus den Ruinen des italienischen Dorfes Falzano di Cortona. Deutsche Gebirgsjäger haben am 27. Juni 1944 das Dorf in der Toskana zerstört und 14 Dorfbewohner ermordet.
Nie wieder Krieg
Nie wieder Faschismus“

Das Denkmal ist vom AK Angreifbare Traditionspflege der Gemeinde Mittenwald geschenkt worden. Die Steine in der Glasvitrine wurden von der Gemeinde Cortona dem AK Angreifbare Traditionspflege für diesen Zweck überlassen. Der Abbau des Denkmals ist ein besonderer Affront gegen die Opfer dieses Verbrechens von Gebirgsjägern, ihren Angehörigen sowie der Gemeinde Cortona

Wir wollten unserer Kampagne über die Verbrechen der Gebirgsjäger und gegen deren jährliche Traditionsfeier auf dem Hohen Brendten abschließen. Das Denkmal sollte einen dauerhaften Erinnerungsort für die genannten NS-Opfer schaffen. Die Diskussion im Garmisch-Partenkirchner Tagblatt um das Denkmal hat gezeigt, dass die Bevölkerung in der Gemeinde Mittenwald keine Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Gebirgstruppen im Zweiten Weltkrieg wünscht, nicht einmal ein Gedenken an die Opfer der Verbrechen zulassen möchte. Der Abbau des Denkmals von offizieller Seite spricht für sich.

Zur Enthüllung hatten wir den Auschwitz-Überlebenden Maurice Cling eingeladen, der auf dem Todesmarsch vom Konzentrationslager Dachau am 1. Mai 1945 in Mittenwald befreit wurde. Auch bei seinem zweiten Besuch in Mittenwald hat ihn kein Vertreter der Gemeinde offiziell begrüßt. In fast jedem anderen Ort wäre bereits dies ein Skandal, nicht so in Mittenwald. Maurice Cling sagte bei der Enthüllung des Denkmals am Pfingstsamstag, dass er das Denkmal stellvertretend für die enthüllen würde, die auf dem Todesmarsch ermordet wurden. Erst mit diesem würdigen Gedenken sei für ihn der Todesmarsch beendet.

Unsere internationale Kampagne und Diskussion muss somit fortgesetzt werden.

via.