Deutsche Zustände

Denkmal für NS-Opfer in Mittenwald abgeräumt | Affront gegen Überlebende und NS-Opfer

Heute, am 4. Juni 2009, hat die Marktgemeinde Mittenwald das an Pfingsten auf dem Bahnhofsvorplatz aufgestellte Denkmal für die NS-Opfer nur wenige Tage nach seiner Errichtung wieder abgebaut. Die Entfernung des am Pfingstsamstag enthüllten Denkmals ist ein Affront gegen die Überlebenden und die Opfer nationalsozialistischer Verbrechen. Das Denkmal, das bis heute auf dem Bahnhofvorplatzes in Mittenwald stand, trägt folgende Inschriften:

„In Trauer um die Opfer der Kriegsverbrechen, die im 2. Weltkrieg von Gebirgsjägern der deutschen Wehrmacht in ganz Europa begangen wurden.
In Gedenken der unter Beteilung der Gebirgstruppe deportierten und ermordeten Jüdinnen und Juden.
In Erinnerung an den Todesmarsch aus dem Konzentrationslager Dachau, der am 1. Mai 1945 in Mittenwald endete.
Dem Markt Mittenwald gestiftet am 30. Mai 2009 vom AK Angreifbare Traditionspflege. Die Steine stammen aus den Ruinen des italienischen Dorfes Falzano di Cortona. Deutsche Gebirgsjäger haben am 27. Juni 1944 das Dorf in der Toskana zerstört und 14 Dorfbewohner ermordet.
Nie wieder Krieg
Nie wieder Faschismus“

Das Denkmal ist vom AK Angreifbare Traditionspflege der Gemeinde Mittenwald geschenkt worden. Die Steine in der Glasvitrine wurden von der Gemeinde Cortona dem AK Angreifbare Traditionspflege für diesen Zweck überlassen. Der Abbau des Denkmals ist ein besonderer Affront gegen die Opfer dieses Verbrechens von Gebirgsjägern, ihren Angehörigen sowie der Gemeinde Cortona

Wir wollten unserer Kampagne über die Verbrechen der Gebirgsjäger und gegen deren jährliche Traditionsfeier auf dem Hohen Brendten abschließen. Das Denkmal sollte einen dauerhaften Erinnerungsort für die genannten NS-Opfer schaffen. Die Diskussion im Garmisch-Partenkirchner Tagblatt um das Denkmal hat gezeigt, dass die Bevölkerung in der Gemeinde Mittenwald keine Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Gebirgstruppen im Zweiten Weltkrieg wünscht, nicht einmal ein Gedenken an die Opfer der Verbrechen zulassen möchte. Der Abbau des Denkmals von offizieller Seite spricht für sich.

Zur Enthüllung hatten wir den Auschwitz-Überlebenden Maurice Cling eingeladen, der auf dem Todesmarsch vom Konzentrationslager Dachau am 1. Mai 1945 in Mittenwald befreit wurde. Auch bei seinem zweiten Besuch in Mittenwald hat ihn kein Vertreter der Gemeinde offiziell begrüßt. In fast jedem anderen Ort wäre bereits dies ein Skandal, nicht so in Mittenwald. Maurice Cling sagte bei der Enthüllung des Denkmals am Pfingstsamstag, dass er das Denkmal stellvertretend für die enthüllen würde, die auf dem Todesmarsch ermordet wurden. Erst mit diesem würdigen Gedenken sei für ihn der Todesmarsch beendet.

Unsere internationale Kampagne und Diskussion muss somit fortgesetzt werden.

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