Unruhen im Iran

Gestern kam es im Iran zu den schwersten Unruhen seit über 10 Jahren. Grund dafür war der Ausgang der Wahlen und der Verdacht auf Wahlbetrug: Nach offiziellen Ergebnissen wurde Amtsinhaber Ahmadinedschad im Amt bestätigt was die Hoffnung auf Lockerungen im islamitischen Regime im Keim ersticken würde. Zurzeit ist es im Iran verboten Alkohol zu trinken, feiern zu gehen, bunte Klamotten anzuziehen und westliche Musik zu hören. Die Frauen leben unter dem Joch der Männer, die Presse ist gleichgeschaltet und die Revolutionsgarden verfolgen all jene die auch nur im kleinen Maße gegen die archaischen Gesetze verstoßen.
Ahmadinedschads Herausforderer Moussavi warb mit vielen Verbesserungen, seine Frau nahm aktiv am Wahlkampf teil, warb für freie Presse und Bürgerrechte und ließ sogar ein buntes Kleid unter ihrem Kleid durchschauen.
Die Aussicht auf weitreichende Reformen trieb die Wahlbeteiligung in die Höhe. Vor allem Studenten und junge Menschen wollten die Möglichkeit zum gesellschaftlichen Wandel nutzen. Als die offiziellen Stellen jedoch durchschauen ließen, das Ahmadinedschad angeblich entgegen der Prognosen weit vorne liege, hatten die Menschen anscheinend genug. Und liefen zu tausenden auf die Straße.

„Ich kann es nicht glauben, seit der Iranischen Revolution vor 30 Jahren haben wir nicht so frei demonstriert“, sagt eine Frau, die im Protestzug mitmarschiert. In ihren Sprechchören setzen die Teheraner den verhassten ehemaligen Monarchen und Präsident Ahmadinedschad gleich: „Egal ob Schah oder Arzt, Diktatoren sind sie beide.“ Dutzende Demonstranten filmen mit ihren Handys: Dieser historische Moment soll festgehalten werden.

Als die Geheimpolizei und Revolutionsgarde die Demonstrierenden angreift, passiert das Unglaubliche. Nach einem Moment des Schockes schlagen die Demonstranten/-innen mit Steinen und Holzlatten zurück:

Doch dann laufen die Menschen plötzlich auseinander: Die gefürchtete Revolutionsgarde fährt mit Motocross-Rädern in die Menge, rammt Menschen, die Männer treten um sich. Polizei zu Fuß knüppelt wahllos auf Unbewaffnete ein. Eine alte Frau wird von Uniformierten zu Boden geschlagen. Journalisten werden mit Schlagstöcken bearbeitet und getreten, auch das SPIEGEL-ONLINE-Team.
Die Polizisten greifen sich junge Männer aus der Menge, zerren sie unter Schlägen zu ihren Bussen. Geheimpolizisten haben die Hand am Gürtel: Jeden Moment können Schüsse fallen.
Die Masse weicht in Seitenstraßen aus, für einen kurzen Moment stehen die Menschen unter Schock. Dann passiert das Unerhörte: Die Demonstranten setzen zum Gegenangriff an. Junge Männer greifen sich Holzlatten, Wahlplakate und schlagen zurück. Alte Frauen hängen sich an die Beine Gefangengenommener, reißen sie der Polizei buchstäblich aus den Händen.
Viele in Iran haben die Gängelei satt
Treibjagden auf Geheimdienstler in Zivil beginnen: „Ihr Verbrecher“, schreien Frauen auf sie ein, während Männer sie zusammentreten. Ein alter Straßenfeger hebt einen Ziegelstein auf, er sieht den Tag der Abrechnung gekommen. Nur mit Mühe halten ihn Umstehende davon ab, sich in die Schlacht zu stürzen.“

via Spiegel gefunden bei waiting

Obwohl die Amtseinsetzung Moussavis zweifellose Vorteile für die dortigen Menschen brächte, grundlegende Veränderungen wären nicht zu erwarten. Nicht nur weil unangenehme Kandidaten für das Präsidentschaftsamt vom Revolutionsrat von vornherein ausgeschlossen wurden, sondern vor allem auch, weil die wahre Macht in dem islamitischen Gottesstaat nicht dem Präsident, sondern dem Revolutionsführer vorbehalten ist. Die Gültigkeit der Scharia und das iranische Atomprogramm blieben auch unter Moussavi unumstritten. Einen wirklichen Wandel würde nur ein grundlegender Umsturz im Lande herbeiführen. Es bleibt also zu hoffen, das der Widerstand im Iran bestehen bleibt, sich radikalisiert und letztendlich Erfolg hat. Neben der Solidarität für die Oppositionellen in Iran, sind auch wirtschaftliche Sanktionen längst überfällig. In diesem Zusammenhang möchte ich auf den Vortrag von Stephan Grigat zu seinem Buch„Der Iran. Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer“ (via Schildkröte) und die Kampagne „STOP THE BOMB“ verweisen. Also anhören --> unterschreiben --> die Menschen im Iran supporten!!!


1 Antwort auf “Unruhen im Iran”


  1. 1 solidarität muß praktisch werden… « im*moment*vorbei Pingback am 23. Juni 2009 um 23:18 Uhr
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