Arbeitsstelle

Mein Einsatzprojekt und damit meine Arbeitsstelle für die nächsten 11 Monate steht nun fest. Es wird nicht Amnesty International sein, da diese ihr Regionalbüro in Santa Cruz dieses Jahr geschlossen haben. Stattdessen werde ich bei CEJIS arbeiten.
CEJIS ist eigentlich mehr eine sozial-politische Organisation, denn eine Menschenrechtsorganisation. Sie kommt aus Europa und arbeitet vor allem mit den indigenen Bevölkerungsteilen im media luna, dem Tiefland Boliviens, zusammen.
Dabei geht es vor allem darum, den landlosen Bauern zu etwas Land, einen gewissen sozialen und rechtlichen Standard (quasi ein besseres Leben im Falschem) zu verhelfen und ihre Selbstorganisation praktisch zu unterstützen. So hat CEJIS beispielsweise eine juristische Abteilung die Landlosen und Kleinstbauern bei Rechtsfragen (z.B. im Falle staatlicher Repression etc.) vertritt oder eine Abteilung, die Lobbyarbeit bei der Regierung betreibt um dir garantierten Rechte der ärmsten Bevölkerungsteile einzufordern.
CEJIS ist dabei die führende „Menschenrechts“-organisation in Bolivien und hat einen hohen Ruf bei indigenen und sozialen Organisationen. Im konfliktreichem Bolivien ist dies natürlich auch polarisierend, bei einigen Personengruppen ist CEJIS vorsichtig gesagt verschrien, was man u.a. auch daran sehen kann, dass das Büro mit einem hohen, dicken Stahltor geschützt ist, welches man nur nach Authentifizierung via Sprechanlage passieren kann.

Ich arbeite zuerst in der Abteilung „Observatorium“, einer relativ neuen und kleinen Sektion, die sich mit der Sichtung, Katalogiesierung und Archivierung von Presseberichten und relevanten Dokumenten, sowie infrastrukturelle Unterstützung von CEJIS intern und anderen sozialen Organisationen beschäftigt. Konkret gehört dazu u.a. die Ausbildung von Mitarbeitern an technischen Geräten, Bereitstellung von technischer Infrastruktur und das Organisieren von technische Workshops (z.B. wie kommuniziere ich am besten in einem Interview mit Indigenas die beispielsweise ganz andere Definitionen von Kategorien wie beispielsweise Unterdrückung haben) oder die Betreuung der Internetseite.


4 Antworten auf “Arbeitsstelle”


  1. 1 atari 27. August 2009 um 21:10 Uhr

    Klingt interessant, v.a. das mit dem techn. Support anbieten. wobei ich mich schon frage, was eine „soziale“ Organisation sich so sehr verschanzt. Erinnert mich etwas an die SPD, gemäß dem Spruch: „Hundert Jahre SPD tun dem Kapital nicht weh.“ – und jetzt haben sie die Netzzensur offiziell miteingeführt.
    greetings und so

  2. 2 Admin 27. August 2009 um 21:25 Uhr

    Naja…ich glaube hoffe die sind schon etwas besser als die SPD ;)

    Zumindest tuen sie etwas aktiv und erfolgreich fuer die aermste Bevoelkerung. Das ich in einer Organisation arbeite, die sich mit Ideologiekritik und kapitalismuskritischer Sozialforschung beschaeftigt hab ich ja auch gar nicht erst gehofft. :D
    Also ist es ungefaehr das beste was mir passieren konnte.

    „wobei ich mich schon frage, was eine „soziale“ Organisation sich so sehr verschanzt“

    Das kommt daher, dass ihr Engegament bei konservativen bis faschistischen Organisationen auf Hass stoesst. Es gab auch schon einige Angriffe auf das Gebaude (neben das Buero in dem ich arbeite ist laut Aussagen meines „Vorgesetzten“ schon mal ein Molotowcocktail gelandet).

    „Klingt interessant, v.a. das mit dem techn. Support“

    Ja, sag mal, du kennst dich nicht zufaellig mit CMS´s aus?

  3. 3 Julius H. Krizsan 28. August 2009 um 13:15 Uhr

    Eine tolle Arbeit ! Chapeau ! Es ist meiner Ansicht nach sehr wichtig, in Bolivien die Indigenen gegen die Interessen der rechten Landbesitzer vor allem im Departamento Santa Cruz zu unterstützen. So gibt es im Süden von Santa Cruz wohl noch Landbesitzer, die den einheimischen Guaranis ihr Land wegnahmen und sie wie Sklaven für sich arbeiten lassen – oder ist das inzwischen geregelt und hat der Staat sich durchsetzen können ? Ja, wenns um die eigenen Pfründe geht, wird der Kapitalist radikal …
    Con un abrazo a la boliviana :-) )) Buena suerte !

  4. 4 Admin 03. September 2009 um 17:48 Uhr

    Ja. Also es gibt noch (einige wenige) leibeigenschaftsaehnliche Verhaeltnisse in Bolivien. Das ist natuerlich nicht ganz legal und die Regierung und verschiedene NGO¨s (auch meine) kaempfen dagegen an.

    Ich will aber auch nochmnal betonen, dass ich nicht denke, dass die rechten boesen reichen Grossgrundbesitzer „schuld“ an dem Leid der armen Bevoelkerungn sind. Sie sind zwar Profiteure und foerdern die Ausbeutungsprozesse natuerlich, jedoch sind sie weder Ursache noch Initiatoren. Ziel der Kritik duerfen nicht die Profiteure, sondern die ursaechlichen Strukturen sein.
    (nicht das du das nicht meintest oder so, ich wollte es nur nochmal betonen)

    Aber vielen Dank fuer die Glueckwuensche :)

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