Archiv für September 2009

Layout Update

Statt einem neuem Artikel gibt¨s diesmal ein Layoutupdate. Die letzte Aenderung ist zwar nicht allzu lange her, und so schlecht war es ja auch nicht. Aber ich konnte einfach die Farben nicht mehr sehen. Das dreckige Gruen und Braun war einfach nicht so meins. Nun hoffe ich dass es ein bisschen heller und moderner aussieht. Mit den hellen, starken Farben ist es zwar eher ein Sommerlayout, aber hey, bei mir wird es gerade Sommer! Tut mir echt leid, wenn bei euch jetzt nicht nur die Temperatur, sondern auch meine Blog-Farben kaelter werden. Naja, vieleicht gefällts ja trotzdem ;)

Wenn ihr wollt, koennt ihr eure Meinung auch in der (ebenfalls neuen) Umfrage in der Sidebar kundtun.

Weltwärts und die Jungle World

Die Jungle World hat in ihrer letzten Ausgabe einen Artikel über Weltwärts-Freiwillige gebracht. Ich werde zwar nicht von Weltwärts gefördert, aber mein Programm ist im Endeffekt das gleiche, weshalb ich mich angesprochen fühle und diesen Artikel gerne posten und kommentieren möchte:
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Momentaufnahme

Ich wusste schon dass es eine gute Woche wird, als mich mein Kollege Montag abend anrief und mir sagte, dass er, weil er noch ein Dokument schreiben muss, am Dienstag nicht ins Büro kommen kann und mich fragte, ob ich nicht stattdessen zu ihm nach Hause kommen möchte um da zu arbeiten. Auf die Frage wann ich denn da sein soll sagte er mir, ich solle doch kommen, wenn ich ausgeschlafen habe. Jackpot. Laptoptasche gepackt und ab gings Dienstag. Mein Arbeitstag ging so gut rum wie immer. Es ist echt gut, dass ich mich einerseits aufgrund meiner Informatikkenntnisse effektiv einbringen kann und andererseits noch genügend Zeit habe, nebenbei zu chatten, im StudiVZ zu surfen und meinen Blog zu betreuen. Das Mittagessen war der Hammer und meine schon gute Laune wurde dann noch besser, als ich Berlin Calling auf dem Rechner meines Kollegen entdeckte und er es mir schickte.
Und weil noch so viele Limetten übrig waren, machte ich mir mit der Au Pair aus Deutschland (ne gute Freundin von mit) dann noch n leckeren Caipirinha nach dem Feierabend. Gut, dann schnell noch Taxi bestellt, heim gefahren,n bissl gechillt und mir dann endlich Berlin Calling angeschaut (Alter, Ketamin, warum nimmt der so ein Scheiss…).

Heute arbeite ich wieder bei meinem Kollegen und freu mich schon auf das Mittagessen. Da ich morgen frei habe habe ich gerade im Internet geschaut was so los ist und siehe da – mein Lieblingsschuppen macht heute eine Electronica / Minimal Party! Geil!
Freitag muss ich dann eigentlich wieder auf Arbeit, aber mein Kollege macht n Brückentag und fährt nach Argentinien. Er sagt, wenn ich hin will kann ich auf Arbeit gehen und wenn nicht….naja :)
Werd dann wahrscheinlich Freitag mal den coolen Rave-Laden auschecken, dessen Adresse ich gerade auf Facebook gefunden habe und mich endlich mal in der deutschen Bibliothek anmelden.

Ich hoffe nur meine Gastfamilie macht mir keinen Strich durch die Rechnung. Ich hab immer noch keinen Schlüssel und wenn ich abends weg gehe muss ich immer klingeln, wenn ich wieder komme….

Koksen Kotzen Kommunismus

Die bolivianische Stadt La Paz zieht Rucksackreisende aus aller Welt an – sie gilt als Hotspot für den Drogentourismus. Schuld daran ist die Bar Route 36. Sie ist so verrucht, dass sie ständig den Ort wechseln muss.
«Wenn man die Bar zum ersten Mal betritt, möchte man meinen, man sei in einer normalen, wenn auch etwas heruntergekommenen Kneipe gelandet. Dieser Eindruck ändert sich jedoch spätestens, wenn der Kellner nicht nach Getränkewünschen, sondern nach der Menge Kokain fragt, die man zu konsumieren gedenkt.» So beschreibt ein Tourist im Forum der Schweizer Organisation Eve&Rave seinen ersten Besuch in der Kokainbar Route 36. Die Kellner in der Bar servieren das Kokain in CD-Hüllen mit einer Selbstverständlichkeit als wären es Sandwichs. Dazu gibt es kleine, acht Zentimeter lange Röhrchen.

Route 36 – die erste Kokain-Lounge der Welt – ist wohl die berühmteste Bar in ganz Südamerika. Ein Reporter der britischen Zeitung «The Guardian» wollte sich selber ein Bild vor Ort machen und reiste nach La Paz. Die 2-Millionenstadt liegt auf etwa 3600 Metern im Anden-Hochland. Bolivien ist eines der ärmsten Länder in Lateinamerika, die soziale und politische Lage ist angespannt und Kriminalität und Armut sind hoch.

«Die Qualität ist herausragend»

«Jeder kennt diesen Ort», sagt Jonas, ein Rucksacktourist der vor zwei Tagen angekommen ist. Obwohl Kokain in Bolivien illegal ist, scheint in der Bar niemand wirklich beunruhigt zu sein. «Der Eigentümer der Bar hat die richtigen Leute bezahlt», sagt ein Kellner mit einem Lächeln dem Reporter des «Guardian». Tausende Touristen besuchen die Bar jedes Jahr und konsumieren Kokain, das berühmt für seine Reinheit ist.

Im Forum von Eve&Rave heisst es dazu: «Man kann zwischen Premium- und Standard-Qualität wählen, ein Gramm kostet etwa zehn Euro – relativ viel für bolivianische Verhältnisse. Die Qualität ist aber herausragend, das Kokain sehr rein, pulvrig und entfacht eine herrliche, lang andauernde Wirkung. Ich habe in keiner anderen lateinamerikanischen Stadt Stoff von solch hoher Qualität konsumiert.»

Was wie eine überschwängliche Gastro-Kritik daherkommt, ist gefährlicher, als es sich anhört. Kokain – wie jeder weiss – macht schnell süchtig und kann den Körper zerstören.

Obskure Szenen in der Bar

Wegen dem illegalen Treiben muss die Bar regelmässig ihre Räumlichkeiten wechseln. Wenn es gut kommt, kann die Kneipe drei Monate am gleichen Ort bleiben. Meistens wechselt sie den Platz aber alle zwei Wochen. «Doch die Taxifahrer wissen stets Bescheid, wo sich die berüchtigte Bar gerade befindet», sagt ein Redaktor einer bolivianischen Zeitung, der anonym bleiben will.

Ein Rucksacktourist beschreibt, was für obskure Szenen sich in der Bar Route 36 abspielen: «Aufgelockert wird die Atmosphäre durch lustige Spielchen, etwa wird von Zeit zu Zeit ein mit Drogen und Kondomen gefülltes Pappmaché-Tier an die Decke gehängt und von einem Gast mit zugebundenen Augen kaputt gehauen. Die Drogen werden auf dem ganzen Boden verstreut und eine Meute von Besuchern wirft sich auf die Päckchen und erfreut sich an Gras und Kokain.»

DEA aus dem Land geworfen

Der Kokain-Tourismus in La Paz ist auf eine Kombination von korrupten Behörden und dem allgemein chaotischen Treiben in der Stadt zurückzuführen. Aber auch Staatschef Evo Morales ist daran nicht ganz unschuldig: Der Präsident Boliviens kämpfte stets für die Rechte der Kokabauern und hat die US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA aus dem Land geworfen. Nirgendwo in Südamerika wächst die Kokainproduktion schneller als in Bolivien.

Der «Guardian»-Journalist zieht nach seinem Besuch folgendes Fazit: Den Kokain-Tourismus in La Paz zu stoppen dürfte so schwierig sein wie die Leute damals während der Prohibition vom Trinken fernzuhalten.

(via)

Cool, was?
Allerdings will ich hier noch einige Fakten klarstellen: Evo Morales begünstigt mit seiner Politik nicht den Drogenkonsum. Eher im Gegenteil. Zwar tritt der ehemalige Kokabauer für die Förderung des Kokaanbaus und Exports ein, hält aber nicht viel von Koks. Koka ist ein traditionelles bolivianisches Produkt, dass schon seit Jahrtausenden in Bolivien angebaut und konsumiert wurde. Es geriet erst in Verruf, als es 1859 Albert Niemann gelang, Kokain aus den Pflanzen zu isolieren und er damit die weit verbreitete Edeldroge Kokain erfand.
Die chemische Erstellung, der Handel, Besitz und Konsum desselben wird in Bolivien extrem verfolgt. Beim Umgang mit Drogen warten im Vergleich zu Deutschland drakonische Strafen. Wird man mit solchen aufgegriffen, kann man schon mal gleich ein halbes Jahr ins Gefängnis wandern. Nicht selten fährt die Polizei mit Hundertschaften auf Partys und stellt fest, ob dort Drogen konsumiert werden. Wenn sie welche finden, werden erstmal alle (!) Partybesucher/innen mit aufs Präsidium geschleppt. Auch innerhalb des Landes gibt es viele Kontrollposten, welche Busse, Lkws und Autos auf Drogen durchsuchen.

Das der bolivianische Präsident die DEA aus wies, ist nicht einer liberalen Drogenpolitik geschuldet, sondern anderen politischen Gründen (zum Beispiel der Wunsch nach anderweitigen Nutzung des Cocas).

Des weiteren gilt festzuhalten, das die Bar 36 nicht die erste und auch nicht die einzige Bar ist, wo man Koks bestellen kann. Das Besondere ist nur die gute Qualität und dass man es quasi offen tun kann. Inoffiziell, sprich unterm Tisch, kann man Koks in relativ vielen Bars in Bolivien bestellen. Nicht umsonst wird das Koka hauptsächlich in Bolivien angebaut und ein Großteil zur Kokainproduktion verwendet.

Oder mal n Naeschen ziehen....

Fortwährender Ausnahmezustand

Es ist doch wirklich schon etwas anderes nur bloß von der Armut zu wissen, als sie wirklich zu erleben. Als ich mir gestern Abend vom Stadtzentrum ein Taxi rief, um nach Hause zu fahren, fuhr mich ein sehr junger Fahrer. Crica mein Alter. Wir kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass er nebenbei Medizin studierte. Um das Geld für sein Studium aufzubringen, fährt er jeden Tag zusätzlich noch acht Stunden Taxi, schlafen tut er höchstens fünf, manchmal sechs, manchmal aber auch nur vier Stunden. Ich fühlte mich immer schlechter, ihm zu erzählten, dass ich nur von Montag bis Freitag acht Stunden arbeite und sonst frei habe. Mehr noch, die Nächte meines Studentenlebens werde ich wahrscheinlich nicht Taxi fahren, sondern mich mit Freunden in Bars oder auf Party herumtreiben. Die Zeit, die er anatomische Gegebenheiten auswendig lernen muss, können Leute wie ich im Stadtpark interessante Bücher lesen und nebenbei vielleicht noch ein Becks schlürfen. Und trotzdem werde ich wahrscheinlich später mehr Geld zur Verfügung haben als er.
Theoretisch zu wissen, das es Menschen gibt, denen nicht ein solches schöne Leben vergönnt ist und wirklich real mit einen gleichaltrigen Menschen zu sprechen, er auf der Fahrerseite, arbeitend und ich, chauffiert und mit ungleich mehr Privilegien ausgestattet, ist wahrlich ein Unterschied.
Und es gibt Leute denen geht es noch schlimmer. Auf meiner Busfahrt von nach La Paz nach Santa Cruz habe ich ärmliche Hütten mit Wellblechdächern und Bauernhöfe mit einem Dach aus Stroh sehen kennen. Während ich Sorgen habe, wenn mein Lieblingsclub schließt und der Junge im Taxi, weil er nur Arbeit aber keine Zeit zum amüsieren hat, haben diese Leute teilweise kein fließendes Wasser, kein Strom, kaum medizinische Versorgung und, mangels adäquater Bildungsangebote, keine Möglichkeit aus dieser Armut zu entfliehen.
Das ist eine reale Katastrophe. Wir bräuchten keine Krisen, keine Naturkatastrophen, keine Unglücke um uns in Aufregung versetzen. Der Ausnahmezustand passiert tagtäglich und dauert fortwährend an. Diese Menschen leben nicht in Frieden. Aber entgegen eines Waldbrandes oder einer Geiselnahme geht ihre Last meistens nicht so schnell vorbei.

Ein Jahr nach den Unruhen

Morgen ist der 11. September. Es jährt sich der wohl schrecklichste islamistisch motivierte Terroranschlag ever und (politisch vieleicht ebenso bedeutend) damit auch der Beginn des „Krieges gegen den Terror“.
Aber der 11. September hat in Bolivien auch noch eine andere Bedeutung. Morgen vor einem Jahr fand das sogenannte „Pando Massaker“ statt, der Kulminationspunkt weitläufiger Ausschreitungen und Unruhen im vergangenen Jahr. Damals starteten die oligarchen bis rechten „Bürgerkomitees“ und die Provinzpräfekturen eine Kampagne gegen ein vom Präsidenten organisiertes Referendum, welches armen und indigenen Bevölkerungsgruppen mehr Rechte geben sollte. Die reichen Tieflandprovinzen fürchteten um ihre finanzielle Pfründe und hielten nicht viel von dem „sozialistischen“ und philoindigenen Kurs Evo Morales. Das ging, beziehungsweise geht soweit, dass diese Provinzen sich komplett von Bolivien abspalten wollen.
Letztes Jahr erhofften sich die radikalsten der eben genannten Gruppen ihre Ziele durch Gewalt und Rebellion zu erreichen. Es brach offener Vandalismus aus, es wurde sich bewaffnet und es wurden regierungsfreundliche, linke und soziale Projekte und Büros gestürmt, zerstört und besetzt.
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Get in touch

Nun bin ich schon fast drei Wochen hier und hatte so schon genügend Zeit mich mit gewissen kulturellen Mustern auseinanderzusetzen, die unabhänig vom finanziellen Status auftreten, und sich von selbigen in der europäischen Gesellschaft unterscheiden.
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La Paz

Zwecks eines Einführungsseminares habe ich meine erste „kleine“ innerbolivianische Reise getätigt. Das war nicht ganz so einfach, da es von Santa Cruz nach La Paz, also vom einem Ende zum anderem Ende des Landes ging. Da innerlateinamerikanische Flüge relativ teuer sind und es so gut wie keinen Schienenverkehr gibt, fuhren wir mit dem Bus: 17 Stunden pro Fahrt.
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