Ein Jahr nach den Unruhen

Morgen ist der 11. September. Es jährt sich der wohl schrecklichste islamistisch motivierte Terroranschlag ever und (politisch vieleicht ebenso bedeutend) damit auch der Beginn des „Krieges gegen den Terror“.
Aber der 11. September hat in Bolivien auch noch eine andere Bedeutung. Morgen vor einem Jahr fand das sogenannte „Pando Massaker“ statt, der Kulminationspunkt weitläufiger Ausschreitungen und Unruhen im vergangenen Jahr. Damals starteten die oligarchen bis rechten „Bürgerkomitees“ und die Provinzpräfekturen eine Kampagne gegen ein vom Präsidenten organisiertes Referendum, welches armen und indigenen Bevölkerungsgruppen mehr Rechte geben sollte. Die reichen Tieflandprovinzen fürchteten um ihre finanzielle Pfründe und hielten nicht viel von dem „sozialistischen“ und philoindigenen Kurs Evo Morales. Das ging, beziehungsweise geht soweit, dass diese Provinzen sich komplett von Bolivien abspalten wollen.
Letztes Jahr erhofften sich die radikalsten der eben genannten Gruppen ihre Ziele durch Gewalt und Rebellion zu erreichen. Es brach offener Vandalismus aus, es wurde sich bewaffnet und es wurden regierungsfreundliche, linke und soziale Projekte und Büros gestürmt, zerstört und besetzt.

Polizei und Militär waren die Hände gebunden. Sie waren sowohl kräftetechnisch nicht in der Lage die Situation zu meistern, doch vor allem waren die (sich in der Hand der einflussreichen Provinzgouvaneure und Großgrundbesitzer_innen befindenden) Medien und ein größer Teil der Bevölkerung der Tieflandprovinzen auf der Seite der Aggressoren, jedes Eingreifen der Polizei hätte die Situation noch weiter verschärft.

Auch meine Organisation, CEJIS, litt darunter. Gestern vor einem Jahr, am 09.09. wurde das Gebäude von angeheuerten Schlägertrupps gestürmt. Ein großer Jeep fuhr so lange gegen die Stahltür bis ebendiese barst, worauf die Angreifer das Haus stürmten, alle Inventargegenstände zerschlugen und Feuer legten. Glücklicherweise bekamen alle Mitarbeiter von dem bevorstehenden Angriff früh genug mit, um fliehen zu können.
Unten sieht man auch ein Video, der erste Teil zeigt wie das Gebäude geplündert und gebrandschatzt wurde. Obwohl man auf dem Video ganz klar Personen und Gesichter erkennen kann, wurde nie jemand für diese Aktion juristisch belangt. Anderen sozialen Organisationen erging es ähnlich. Bei einer indigenen Organisation, dessen Büro ebenfalls zerstört wurde, wurde die juristische Aufklärung völlig verhindert: Zeugen wurden unter Druck gesetzt, Material verschwand immer wieder und der zuständige Richter wurde 7 mal gewechselt um jeden Fortschritt des Prozesses zu verhindern.
Gestern, am Jahrestag der Plünderung, fand in unserem Projekt eine Erinnerungsveranstaltung statt. Dabei sprachen der Chef von CEJIS und u.a. hohe Tiere verschiedener Indigenen-Organisationen.

Morgen, am Jahrestag des Pando Massakers, werde ich mit meinem Projekt zu einer Neueröffnung des Büros von CPESC gehen, welches damals komplett zerstört wurde (nur die Mauern standen noch).
Am 11.9.2008 fand im Departement Pando eine Demonstration von regierungsnahen Bauern statt. Niemand weiß, was ganz genau passiert ist, aber fest steht, dass die Demonstration von einer angeheuerten, mit Maschinengewehren bewaffneten Truppe angegriffen wurde. 17 Demonstranten wurden niedergeschossen, viele verletzt, einige „verschwanden“. Fest steht auch, das die oligarchen rechten Provinzgouvaneuere etwas damit zu tun haben, einer wurde auch für die Mitorganisation des Massakers verurteilt.

Nach der Explosion der Gewalt, kühlten sich die Gemüter vieler Bürger schnell ab und die Solidarisierung mit den radikalen Separatisten ging rapide zurück. Das, einige politische Zugeständnisse der Regierung, sowie die geschlossene Haltung aller südamerikanischer Staaten gegen die Abspaltung der reichen Ostprovinzen führt dazu, dass sich die Situation nach einigen Wochen wieder normalisierte.
Die rechten Bürgerkomitees und die faschistische „Jugendunion“ haben ihren breiten Rückhalt in der Bevölkerung verloren und gingen geschwächt aus dem Konflikt hervor.
Gespant ist die Situation aber immer noch; wird „die andere Seite“ morgen bei der Eröffnung/Gedenkveranstaltung auftauchen, wird diese aus Sicherheitsgründen sofort abgeblasen.

Unser Buero
Das was von unserem Büro noch übrig war…
Nochmal das was vom Buero uebrig war
Und davor verbrannten sie alle Dokumente:
Asche unserer Dokumente


1 Antwort auf “Ein Jahr nach den Unruhen”


  1. 1 compane 11. September 2009 um 0:14 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.