Als Vegetarier in Südamerika

Seitdem ich der WG wohne, finde ich immer weniger Zeit zu bloggen und bekomme immer schlechtes Gewissen, wenn ich auf meine Seite schaue.
Deshalb reiss ich mich jetzt einfach mal zusammen und schreib mal einen kurzen Artikel, den ich schon seit einiger Zeit schreiben wollte.

Als ich nach Südamerika flog, hab ich schon gedacht, dass dies das Ende meiner vegetarischen Ernährung darstellt und das bestellte vegetarische Essen im Flieger das letzte für ein Jahr sein wird.
Und wenn sich meine Befürchtungen auch anfangs bestätigten, wurde ich jedoch positiv überrascht.

Da ich anfangs bei einer Gastfamilie gewohnt hatte, musste ich mich mehr oder weniger anpassen und habe auch hin und wieder ein wenig Fleisch gegessen. Vegetarier_innen sind hier, wie man es sich schon denken kann, eine Seltenheit, von Veganer_innen hat der Durchschnittsmensch noch nie etwas gehört.

Dennoch kann man, wenn man denn allein wohnt, sich hier (zu meinem Erstaunen) nahezu problemlos zumindest vegetarisch ernähren. Es gibt in vielen Restaurants meistens ein paar Gerichte ohne Fleisch und sogar ein paar komplett vegetarische Restaurants. Selbst auf Tofu muss man nicht verzichten, unglaublich aber wahr: Es gibt hier einen Vegetarier-Laden in dem es alle möglichen Köstlichkeiten für die fleischlose Ernährung gibt. Ich war zwar noch nicht da, werde aber mal in nächster Zeit vorbei schauen.

Vorsicht ist dennoch geboten: Wenn man hier sagt dass man kein Fleisch mag, kann man trotzdem Hühnchen vorgesetzt bekommen. Denn „pollo“(Hühnchen) ist hier aus unerfindlichen Gründen kein „carne“(Fleisch).

Die Möglichkeit sich vegetarisch (oder vlt. auch vegan?) zu ernähren, hat man hier natürlich auch nur in den (ganz) großen Städten. In der Kleinstadt oder auf dem Land, würde ich mich nicht wundern, wenn man gar nicht verstanden wird, wenn man sagt, dass man Vegetarier_in ist. Das hängt neben dem allgegenwärtigen Fleischkonsum natürlich auch mit der prekären sozioökonomischen Lage der Menschen auf dem Land zu tun.