„Ein Sieg für alle antiimperlialitsichen Völker(sic!)“

Die Wahlen in Bolivien sind gefallen. Als eindeutiger Sieger mit 62,5% geht der alte und neue Präsident Evo Morales mit seiner Partei „Sozialistische Bewegung “ hervor. Als zweitplaziert gilt die rechte PPB-CN mit 27,6% gefolgt von der wirtschaftsliberalen Unidad Nacional mit 6,1%. Erstmals hat sich auch die Alianz Socíal mit 2,5% als landesweite Kraft etabliert.

Obwohl die offiziellen Ergebnisse erst am 16. Dezember bekannt gegeben werden, sind die Prognosen mehr als eindeutig.
So hat die realsozialistische Partei ihren historischen Sieg von 2005 noch weiter ausgebaut und – was noch wichtiger ist – sich auch fest in den traditionell oppositionellen Ostprovinzen verankert.
Es wird so mit aller Wahrscheinlichkeit zu keinem zweiten Wahlgang kommen, voraussichtlich wird die MAS sogar 25 Senatssitze erhalten und damit die nötige 2/3 Mehrheit um alleine Gesetze beschließen zu können.

Der überzeugte Antizionist Morales ließ es sich natürlich auch nicht nehmen nach dem Ausgang der Wahlen zu verkünden, dass sein Sieg „ein Sieg für alle antiimperialistischen Regierungen und Völker (sic!)“ sei. Sich angesprochen fühlen dürfen sich damit wohl die islamistischen und/oder autoritären „Brüdervölker“ vom Schlage Kuba, China und Iran.

Trotz dessen lässt der Wahlsieg der „charismatischen Führerfigur“ (Zitat TAZ) Morales auf eine Weiterführung des sozialen Kurses Boliviens hoffen.
Und entgegen seinen ideologischen Bierzelt-Parolen haben Bolivien und die USA (welche Evo Morales bereits gratuliert haben) Verhandlungen aufgenommen ihre Beziehungen zu normalisieren.

Obwohl die MAS in den Tieflandregionen Santa Cruz, Pando und Beni nicht gewinnen konnte, so konnte sie sich dennoch hier stark verankern. In Santa Cruz, wo letztes Jahr noch MAS-Aktivisten gelynchten wurden, erhielt die Partei stolze 40%.
Geschafft hat die Partei dies damit, dass sie die Mittelschicht und die Intelligenz in ihre Strategien mit einbaute.
Auch hat sie sich im Wahlkampf stark auf die Ostregionen konzentriert, so schloss die MAS sogar Bündnisse mit Funktionären der rechtsextremen „Jugendunion Santa Cruz“ um hier Fuß zu fassen.

Dennoch bleibt das Land weiter gespalten. Als ich mich am Wahlsonntag auf dem Plaza Principal in Santa Cruz de la Sierra aufhielt, fuhr triumphierend eine Autokolonne der MAS vorbei. Spontan wurde der Platz laut, die Bürger, die eben noch friedlich auf ihren Bänke saßen, sprangen auf und schrien die vorbeirasenden „MASistas“ an. Und das bei einer Partei die hier 40% erlangte! Selbst die NPD lässt den Normalbürger in Deutschland kalt.

Weiterhin auffallend war die starke Personenfixierung des Wahlkampfes. Niemand sprach von der MAS oder der PPB-CN. Immer hieß es „Ich bin für Manfred“ oder „Evo gewinnt“.

Ach so, falls dies künftige Besucher Boliviens lesen; seid gewarnt: Die Alkohol- und Feier-Prohibition begann (für mich überraschend) schon Freitag!
Naja, dafür war der Verkehr am Wahltag ungeahnt normal. Ein Taxi zu bekommen war kein Problem. Im Vergnügungsviertel „Equipetrol“ war sogar Stau. Fahrrad fahren konnte ich trotzdem.