Archiv der Kategorie 'Bolivien'

Ein Jahr nach den Unruhen

Morgen ist der 11. September. Es jährt sich der wohl schrecklichste islamistisch motivierte Terroranschlag ever und (politisch vieleicht ebenso bedeutend) damit auch der Beginn des „Krieges gegen den Terror“.
Aber der 11. September hat in Bolivien auch noch eine andere Bedeutung. Morgen vor einem Jahr fand das sogenannte „Pando Massaker“ statt, der Kulminationspunkt weitläufiger Ausschreitungen und Unruhen im vergangenen Jahr. Damals starteten die oligarchen bis rechten „Bürgerkomitees“ und die Provinzpräfekturen eine Kampagne gegen ein vom Präsidenten organisiertes Referendum, welches armen und indigenen Bevölkerungsgruppen mehr Rechte geben sollte. Die reichen Tieflandprovinzen fürchteten um ihre finanzielle Pfründe und hielten nicht viel von dem „sozialistischen“ und philoindigenen Kurs Evo Morales. Das ging, beziehungsweise geht soweit, dass diese Provinzen sich komplett von Bolivien abspalten wollen.
Letztes Jahr erhofften sich die radikalsten der eben genannten Gruppen ihre Ziele durch Gewalt und Rebellion zu erreichen. Es brach offener Vandalismus aus, es wurde sich bewaffnet und es wurden regierungsfreundliche, linke und soziale Projekte und Büros gestürmt, zerstört und besetzt.
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Get in touch

Nun bin ich schon fast drei Wochen hier und hatte so schon genügend Zeit mich mit gewissen kulturellen Mustern auseinanderzusetzen, die unabhänig vom finanziellen Status auftreten, und sich von selbigen in der europäischen Gesellschaft unterscheiden.
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La Paz

Zwecks eines Einführungsseminares habe ich meine erste „kleine“ innerbolivianische Reise getätigt. Das war nicht ganz so einfach, da es von Santa Cruz nach La Paz, also vom einem Ende zum anderem Ende des Landes ging. Da innerlateinamerikanische Flüge relativ teuer sind und es so gut wie keinen Schienenverkehr gibt, fuhren wir mit dem Bus: 17 Stunden pro Fahrt.
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Arbeitsstelle

Mein Einsatzprojekt und damit meine Arbeitsstelle für die nächsten 11 Monate steht nun fest. Es wird nicht Amnesty International sein, da diese ihr Regionalbüro in Santa Cruz dieses Jahr geschlossen haben. Stattdessen werde ich bei CEJIS arbeiten.
CEJIS ist eigentlich mehr eine sozial-politische Organisation, denn eine Menschenrechtsorganisation. Sie kommt aus Europa und arbeitet vor allem mit den indigenen Bevölkerungsteilen im media luna, dem Tiefland Boliviens, zusammen.
Dabei geht es vor allem darum, den landlosen Bauern zu etwas Land, einen gewissen sozialen und rechtlichen Standard (quasi ein besseres Leben im Falschem) zu verhelfen und ihre Selbstorganisation praktisch zu unterstützen. So hat CEJIS beispielsweise eine juristische Abteilung die Landlosen und Kleinstbauern bei Rechtsfragen (z.B. im Falle staatlicher Repression etc.) vertritt oder eine Abteilung, die Lobbyarbeit bei der Regierung betreibt um dir garantierten Rechte der ärmsten Bevölkerungsteile einzufordern.
CEJIS ist dabei die führende „Menschenrechts“-organisation in Bolivien und hat einen hohen Ruf bei indigenen und sozialen Organisationen. Im konfliktreichem Bolivien ist dies natürlich auch polarisierend, bei einigen Personengruppen ist CEJIS vorsichtig gesagt verschrien, was man u.a. auch daran sehen kann, dass das Büro mit einem hohen, dicken Stahltor geschützt ist, welches man nur nach Authentifizierung via Sprechanlage passieren kann.

Ich arbeite zuerst in der Abteilung „Observatorium“, einer relativ neuen und kleinen Sektion, die sich mit der Sichtung, Katalogiesierung und Archivierung von Presseberichten und relevanten Dokumenten, sowie infrastrukturelle Unterstützung von CEJIS intern und anderen sozialen Organisationen beschäftigt. Konkret gehört dazu u.a. die Ausbildung von Mitarbeitern an technischen Geräten, Bereitstellung von technischer Infrastruktur und das Organisieren von technische Workshops (z.B. wie kommuniziere ich am besten in einem Interview mit Indigenas die beispielsweise ganz andere Definitionen von Kategorien wie beispielsweise Unterdrückung haben) oder die Betreuung der Internetseite.

Erstes Lebenszeichen aus Bolivien

Nach gefühlt einer halben Ewigkeit melde ich mich nun zum ersten Mal aus Bolivien. Zwar erst nach einer Woche, aber meine Gastfamilie hat auch nur eine ziemlich langsame Modem-Verbindung hat und in letzter Zeit ist viel passiert. Aber ich habe auch schon ein günstige Internetcafé in meiner Nähe gefunden und auf meiner Arbeit werde ich auch Internet haben.

Vieles ist gerade am Anfang schwierig, vor allem die Sprache. Ich kann mich mit Mühe bei meiner Gastfamile verständlich machen, die Zeitung verstehe ich zurzeit noch kaum. Aber ich denke das wird sich in den nächsten zwei Monaten ändern. Desweiteren hat die TAM (meine Fluggesellschaft von Paris nach Sao Paulo) einen meiner Koffer verschlampt…
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Bolivien und der Iran

Letzte Woche besuchte der Außenminister des Iran Menuchehr Mottaki Bolivien um die wirtschaftlichen Beziehungen zu vertiefen. Diese Kooperation mit dem islamistischen Regime ist nicht neu, sie begann schon Anfang 2007, als Achmadinedschad das südamerikanische Land besuchte und mehrere bilaterale wirtschaftliche Projekte verabschiedet wurden.
Dies ist keine politische Ausnahme, sondern passt perfekt in die antiisraelische und antiamerikanische Politik, welche die sozialistischen Länder Lateinamerikas eint.
Ganz vorne steht Venezuelas Präsident Hugo Chavez, bekannt durch diverse antisemitischen Äußerung und seiner hohen Meinung von Achmadinedschad (Bild).
Um die wirtschaftlichen Beziehungen nicht zu gefährden, eifert ihm nicht nur Evo Morales nach.
Während der Eskalation im nahen Osten Anfang des Jahres fanden in ganz Lateinamerika propalestinänsiche Demonstrationen statt, die Schuld wurde einseitig Israel zugeschoben und ihm als imperialistische Vorhut der USA jedes Recht auf Selbstverteidigung abgesprochen. Bolivien wieß nicht nur den israelischen Botschafter aus, sondern versuchte auch Israel vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zerren.

Hugo Chavez mit seinem Kumpel Achmedinedschad

Berlin und Teheran

So. Morgen beginnt ganz offiziell mein FSJ mit einem Vorbereitungsseminar in Berlin. Ich gehe mal davon aus, dass ich dort auch Internet haben werde. Inhaltlich erwarte ich allerdings nicht sehr viel. Zwar soll es auch um gesellschaftliche Themen und interkulturelle Kommunikation gehen, das Niveu schätzte ich aber, ausgehend vom letzten Seminar, als nicht sehr hoch ein. Wer sich etwas intensiver mit dem Thema interkulurelle Kommunikation beschäftigem will, dem/der empfehle ich Tzetan Todorov – „Die Eroberung Amerikas – Das Problem des Anderen“ vom Suhrkamp Verlag. Auch wenn der Mann nicht ganz unumstritten ist, ist das Buch doch sehr gut und unerlässlich für die Diskussion um das oben genannte Thema. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an meine Lieblings-Doktorantin in Berlin/Wien für das Buch ;)

Und noch was: Anscheind gibt es in letzter Zeit immer eine gute Demo, wenn ich nach Berlin komme. Diesmal möchte ich auch dafür werben. Morgen, am 05. August findet um 18.30 Uhr am Brandenburger Tor in Mitte eine Kundgebung zum Thema „Freiheit statt Islamische Republik! – Solidarität mit der iranischen Freiheitsbewegung – Keine Unterstützung und Anerkennung des iranischen Regimes!“, veranstaltet von der Initiative „Stop the Bomb“ statt. Also wer das ist, soll sich hinbewegen. Ich glaube nicht, dass ich es kann, da mein Seminar um 15:00Uhr losgeht.

Stopp the Islamists!

Einsatzstelle steht fest

Nach langer Wartezeit steht nun endlich meine genaue Arbeit und damit auch mein zukünftiger Wohnort fest. Ich werde ab August bei einer Gastfamilie in Santa Cruz wohnen. Santa Cruz de la Sierra ist mit 1,6 Millionen Einwohnern die größte, reichste und heißeste Stadt Boliviens. Mit einer Durschnittstemperatur von ca. 20° C im Winter und 30° im Sommer ist es sowohl tags als auch nachts sehr warm, wovon ich nicht gerade abgeneigt bin ;)
Leider liegt Santa Cruz auch im, mehrheitlich weiß dominierten und sehr rechtem „media luna“. Santa Cruz ist eine politische Hochburg reicher rechter Großgrundbesitzer und der rechtsradikalen PODEMOS-Partei.

Ich werde dort im Menschenrechtsbereich arbeiten dürfen: je nach Wunsch und Gegebenheiten vor Ort kann ich bei Amnesty International, der „Asamblea permanente de derechos humanos de Bolivia“ (APDHB) oder, je nach Bedarf und Zeit, bei beiden und/oder anderen, arbeiten.