Archiv der Kategorie 'Kultur'

Besetztes Haus Erfurt geräumt


Wie bereits heut vielfach durch das Radio und andere Medien berichtet, wurde heute das „Besetzte Haus Erfurt “ durch mehrere hundert Polizisten aus Thüringen, Sachsen und Bayern geräumt.
Das schwer bewaffnete Spezialkommando der Polizei stürmte um 5:45uhr diesen morgens das Haus.
Zum Zeitpunkt der Räumung befanden sich noch ca. 30 Besetzer/innen im Haus, 30 weitere organisierten eine friedliche Sitzblockade vor dem Tor des soziokulturellen Projektes.
Die Sitzblockade wurde jedoch nach kurzer Zeit geräumt und eine brennende Barrikade von einem Wasserwerfer gelöscht. Auch ansonsten konnten die Besetzer den Einsatzkräften der Polizei, die sich von zwei Helikoptern über dem Gebäude abseilten, nicht viel entgegensetzten.

Das „Besetzte Haus Erfurt“ gab es seit Ostern 2001. Damals besetzten linke Jugendliche das ungenutze und dem Verfall preisgegebene Objekt, richteten es wieder her und organieren seitdem in dem Haus viele Konzerte, Discos und Vorträge. Auch gibt gab es eine Bibliothek, mehrere Proberäume und einen Umsonstladen.
Weiterhin wohnten über 30 Menschen in dem Projekt und dem angrenzenden Wohnwagenplatz. Das Haus war immer Anlaufpunkt für sozialpolitische und linke Gruppen.

Wichtig war für die Besetzter_innen auch die Geschichte des Gebäudes. Es befand in dem ehemaligen Firmenkomplex der Firma Topf&Söhne, welche im Nationalsozialismus Brennöfen für Konzentrationslagen herstellte. Die Besetzer/innen orgeniserten regelmäßig Führungen und Vorträge zu der schrecklichen Geschichte und Bedeutung des Geländes, richteten sogar eine Internetseite ein und forderten immer wieder eine Gedenkstätte.

Im Jahre 2007 erwarb das Gelände jedoch die Immobilienfirma „Domicil Hausbau GmbH“ aus Mühlhausen und plante das Gelände abzureißen.
Nach mehreren Demonstrationen und diversen Aktionen seitens der Besetzter lenkte der neue Eigentümer Helmut Golla jedoch ein und setzte auf eine „politische Lösung“. Die Stadt jedoch blieb hart, stellte den Besetzer/innen Strom und Wasser ab und drängte den Eigentümer das Gebäude räumen zu lassen.
Ein Angebot der Stadt ein Alternativobjekt bereitzustellen stellte sich jedoch als Farce heraus, da das angebotene Objekt, noch nicht einmal für alle Bewohner/innen Platz bot, von den Projekten ganz zu schweigen. Auch als die Besetzter/innen versuchten ein leerstehendes Alternativobjekte in der Hohenwinderstraße zu besetzten, zeigt die Stadt Erfurt kein Interesse an einer Fortführung des Projekts und drängte den Eigentümer im Gegenteil noch dazu nicht auf die Gespräche mit den Besetzer/innen einzugehen.

Nun wird das ehemalige besetzte Haus mit all seinen Projekten abgerissen und an seiner Stelle werden Wohnblocks und ein Supermarkt entstehen.

Videos zur Räumung:
http://www.youtube.com/watch?v=B1VafoOfUoc
http://www.youtube.com/watch?v=u7_PeRub-0U

Ziemlich verloren

Das 3K, das (Jugend-)Theater in Mühlhausen, hat ein neues Stück auf dem Plan, das ich mir Mittwoch gleich zur B-Premiere angeschaut habe.
Hikikomori 3K
Das Spiel heißt „Hikikomori“ und ist eine Momentaufnahme von einem Jungen, der sich komplett aus der Welt zurückgezogen hat und sein Leben nur noch in seinem Zimmer mit seinem Computer verbringt.
Das 60-minütige Solo Stück wirkt von Anfang an düster, surreal und abstrakt.
Es ist an sich ziemlich gut, aber begeistert war ich trotzdem nicht. Es hat allerdings einige Zeit gedauert bis ich herausgefunden habe, was mir gefehlt hat.

Wer vorher weiß, worum das Stück handelt und sich über die Thematik schon einmal ein wenig Gedanken macht, dem erzählt Hikikomori nichts Neues.
Dem Zuschauer wird zwar während der ganzen Zeit eindrucksvoll gezeigt, wie stark der Protagonist leidet, untermalt mit grandiosen Bild und Toneffekten und guter Schauspielersicher Leistung.
Aber über dieses Leiden (was man vorher schon erahnen konnte) hinaus fehlt es an gewitzten Denkansätzen, provokanten Fragestellungen oder unerwarteten Momenten. Das Stück wird vorhersehbar.

Das zweite Problem ist, das das Stück sehr eindimensional ist, wie ich finde. Der Junge geht bewusst in die Isolation, teils weil ihn Gesellschaft mit ihren Zwängen nicht anspricht aber auch aus selbstverletzendem Verhalten.

Nun ist aber klar, dass nicht jeder Nerd und Computerjunkie psychisch krank und sozialophob ist.
Gerade vor dem Hintergrund der Debatte über Computerspiele (Pfeiffer: „manche Jugendliche spielen länger Online-Spielen als sie in der Schule sitzen.“) wäre doch einmal eine Differenzierung nötig.
Kann es nicht auch sein, das Menschen glücklich sind, wenn sie sich in ihre eigne digitale Welt zurückziehen? Oder dürfen sie das nicht? Wie viel „darf“ ein Mensch in seiner eigenen Welt leben, wie viel muss er in der realen Welt funktionieren?

Dadurch dass der Drehbuchautor Holger Schober so eine extreme Peron und Situation ausgewählt hat, bleiben diese Fragen auf der Strecke.

Das Stück ist vielleicht für Eltern und Sozialpädagogen als Sensibilisierungsmaßnahme geeignet aber um eine konstruktive Debatte um dieses „Tabu- Thema“(TA) anzustoßen eher nicht.

Des Weiteren hab ich erfahren, dass ich wahrscheinlich besser in die A-Premiere am Dienstag gegangen wäre, denn da soll die Aftershow Party bedeutend besser gewesen sein. ^^

Waltz with Bashir

Gestern war ich mal wieder im Kino, welches zur Abwechslung mal etwas Gutes brachte: „Waltz with Bashir“ kam und war, wie zu erwarten ein sehr gelungener Film.

Inhaltlich geht es um einen ehemaligen IDF-Soldaten, der seine Erfahrungen im Libanonkrieg und speziell mit dem Massaker von Sabra und Schatila verarbeitet.
Die Ereignisse wurden nicht chronologisch erzählt, viel mehr erfährt der Protagonist, welcher seine gesamten Erinnerungen an den Krieg verdrängt hat, von ehemaligen Kameraden episodenhaft Bruchstücke aus dieser Zeit. Welche davon real stattgefunden haben und welche fiktional sind und an welchen der realen der Protagonist wirklich beteiligt war, bleibt dabei meistens ungeklärt und spielt eigentlich auch keine Rolle.
(mehr…)