Archiv der Kategorie 'Ostdeutsche Provinz'

Nicht sehr fit

Gestern beim Be-fit Festival in Erfurt gewesen. Ich hatte mir vorgenommen noch ein vielleicht letztes Mal bevor ich abhaue hübsch feiern zu gehen und die Gelegenheit zu nutzen noch einmal die Capas und Juri Gagarin zu sehen. Das war mir auch die 25 Euro für die Tageskarte wert.
Rückblickend gesagt, war es….naja….ambivalent.

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Erfurt bleibt unruhig

Nachdem das besetzte Haus von Spezialeinheiten der Polizei geräumt wurde, gab es Kritik von verschieden Seiten. So sprach die Linkspartei u.a. von unnötiger Gewalt und dass man die Möglichkeit verspielt habe, ein alternatives Jugendprojekt zu förden. Diese Einsicht kommt reichlich spät, so hatten die Besetzer/innen über Jahre hinweg ohne einen Cent staatliche Unterstützung einen Ort aufgebaut, der sich in ganz Thüringen in dieser Form nicht nocheinmal finden lässt. Das es jetzt von Spezialeinheiten, die man nach ihrem Aussehen eher in Counter Strike oder Half Life vermutet und nicht in einem alten Haus in dem sich 6 Linke anketten haben um nicht vertrieben zu werden, ist kein immobilienrechtliches Missgeschick, sondern politischer Wille.
Das Arreal den Aktivisten zur Verfügung zu stellen hätte rund 170 000 Euro gekostet, der Polizeieinsatz ein Vielfaches davon. Selbst der Immobilienbesitzer Golla hat im Gegensatz zur Stadt Erfurt für eine friedliche Lösung Interesse gezeigt.
In Reaktion an die gewaltsame Räumung kam es in ganz Deutschland zu spontanen Aktion.
In Bad Langensalza, Berlin, Bremen, Chemnitz, Düsseldorf, Frankfurt, Gera, Giessen, Göttingen, Hamburg, Heiligenstadt, Ilmenau, Jena, Karlsruhe, Köln, Leipzig, Lübeck, Münster, Nürnberg, Nürtingen, Oldenburg, Potsdam, Rostock, Vaxjö, Weimar und Würzburg machten Aktivisten in verschieden Formen ihren Unmut deutlich.
In Erfurt kam es im Anschluss an die Räumung des soziokulturellen Zentrums zu zwei Spontandemonstrationen, einer Neubesetzung, die sofort wieder geräumt wurde und vereinzelte Angriffe auf eine Polizeistation und das Arbeitsamt.
Dafür, dass es jetzt zur Eskalation kommt, hat sich die Stadt selbst entschieden, ob brennende Polizeiautos und Mülltonnen jedoch die Stadt dazu bewegen an den Verhandlungstisch mit den (ehemaligen) Besetzern zurückzukommen ist fraglich.
Dazu fehlt es zum einen der Freiraumbewegung an der entsprechenden Durchschlagkraft und zweitens den meisten Politikern der Stadt an Einsicht. Nach den Geschehnissen der letzten Tage ist deutlich, dass diese wahrscheinlich lieber einen millionenschweren Militäreinsatz anfordern würden, als ein altes unbenötiges Gelände zur selbstverwaltenden sozialpolitischen Nutzung freizugeben.

Soli-Demontstration Berlin
Spontan Demonstartion in Berlin


Ungenutztes Alternativgebäude in Erfurt kurzzeitig besetzt


„Polizei“ vor dem (ehemailgen) besetzten Haus

Black Ops
Wer kennt die Black-Ops aus Half Life 1?

Counter Strike
„Polizei“ im besetzten Haus

Hier ist Deutschland

Gestern in so einem germanophilien Schuppen in der Tilesiusstraße gefunden. Zwischen schwarz-rot-gelben Medaillen, blau-weiß-karierten Tischdecken und Bierkrugromantik hab ich dieses Versatzstück deutscher Identität gesichtet:

Deutschland

Tja, was fällt uns dazu ein….

„Bratwurst gegen Mutzbraten“

Ich wusste heut morgen echt nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Ich mein, ich wusste ja dass es schlimm ist, aber so schlimm:

Titelblatt

Wenn ich so etwas auf dem Titelblatt einer anderen Zeitung gelesen hätte, fände ich das bestimmt witzig, aber nein, die meinen das durchaus ernst! Wer Interesse hat, kann sich in der Wochenendausgabe dieses Provinzblattes über die „Zwischenbillianz“ der bis heute andauernden „Fehde“ zwichen Thüringen und Sachsen informieren.

Wahrscheinlich trauen sich die AutorInnen nicht oft über ihre sichere Landgrenze hinaus, und wenn man dann doch das feindliche Gebiet hinter der thüringischen Grenze betritt, wird aufmerksam in alle Richtungen geschaut, ob „der Sachse“ nicht auf einen lauert und im nächsten Moment mit einer Keule hinterm Busch hervorspringt.
Da fragt man sich doch echt, ob das 21. Jahrhundert hier schon angekommen ist, oder?

Als Reaktion hab ich jetzt mal die Kategorie „Ostdeutsche Provinz“ eingeführt.