Tag-Archiv für 'antiamerikanismus'

Einführende Worte zur (radikalen) Linken in Südamerika

Ein Grund für mich ein Auslandsjahr in Südamerika zu machen, war damals auch nicht nur die südamerikanische Gesellschaft (dazu habe ich ja bereits etwas geschrieben), sondern auch ihre sozialen Bewegungen kennen zu lernen. Che und Konsorten kamen ja auch von hier und wo sonst auf der Welt gab bzw. gibt es mehr Elan für die Errichtung des Sozialismus als in Südamerika.
Aktueller Anlass für diesen Text sind u.a. auch die diese Woche stattfindende bolivianische „Sozialistenkonferenz zu Ehren von Che Guevara“ in Vallegrande/Bolivien. Dieser berühmte Antisemit verbrachte bekanntliche seine Kindheit und Jugend hier in Bolivien. Er ist hier Volksheld und es gibt hier auch einige Statuen von ihm. Dass er sagte, dass er nicht zögern würde eine Atombombe auf Amerika zu werfen, wenn er denn eine hätte, scheint hier keinen zu stören und passt auch perfekt in den ideologischen Rahmen der meisten linken Gruppen hier.
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Bolivien und der Iran

Letzte Woche besuchte der Außenminister des Iran Menuchehr Mottaki Bolivien um die wirtschaftlichen Beziehungen zu vertiefen. Diese Kooperation mit dem islamistischen Regime ist nicht neu, sie begann schon Anfang 2007, als Achmadinedschad das südamerikanische Land besuchte und mehrere bilaterale wirtschaftliche Projekte verabschiedet wurden.
Dies ist keine politische Ausnahme, sondern passt perfekt in die antiisraelische und antiamerikanische Politik, welche die sozialistischen Länder Lateinamerikas eint.
Ganz vorne steht Venezuelas Präsident Hugo Chavez, bekannt durch diverse antisemitischen Äußerung und seiner hohen Meinung von Achmadinedschad (Bild).
Um die wirtschaftlichen Beziehungen nicht zu gefährden, eifert ihm nicht nur Evo Morales nach.
Während der Eskalation im nahen Osten Anfang des Jahres fanden in ganz Lateinamerika propalestinänsiche Demonstrationen statt, die Schuld wurde einseitig Israel zugeschoben und ihm als imperialistische Vorhut der USA jedes Recht auf Selbstverteidigung abgesprochen. Bolivien wieß nicht nur den israelischen Botschafter aus, sondern versuchte auch Israel vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zerren.

Hugo Chavez mit seinem Kumpel Achmedinedschad

Abflug naht

Das Vorbereitungsseminar und die Abschiedsparty (war top!) sind nun zu Ende und Dienstag steige ich in den Flieger gen Südamerika.

Zuallererst bin ich froh, dass sich alles noch geregelt hat, zumal die Visumbeantragung dann doch spannender wurde, als mir lieb war.
Das Seminar war ganz nett, wobei es mir inhaltlich, wie zu erwarten, nicht viel gebracht hat. Den einzigen interessanten Part stellte ein Vortrag zu dem Thema „Reisen und Rassimus“ dar, der auf die Konstruktion des „Anderen“ in einer hirarchischen Dimension einging, theoretische Grundlagen des Rassismus vermittelte und denselben mit modernen Formen des Reisens verband.
Leider war ich der Einzige, der an diesem Vortrag Gefallen fand. Viele fanden den Rassismus zu weit ausgelegt und einige fühlten sich auch persönlich angegriffen. Die Reaktionen erinnerten mich auch ein wenig an die Antisemitismus-Debatte der letzten Jahre.
Ganz angenehm war allerdings trotzdem die interessierte Atmospäre und die allabendlichen politischen Diskussionen, auch wenn ich mir manchmal einen Workshop zu regressiver Kapitalismuskritik, Antiamerikanismus und Verschwörungstheorien gewünscht habe:

Am Dienstagabend wird mein Flieger nun ab Berlin Tegel starten und ich werde dann nach zweimaligem Umsteigen 17:45Uhr Ortszeit in Santa Cruz de la Sierra / Bolivien landen.