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Ein Jahr nach den Unruhen

Morgen ist der 11. September. Es jährt sich der wohl schrecklichste islamistisch motivierte Terroranschlag ever und (politisch vieleicht ebenso bedeutend) damit auch der Beginn des „Krieges gegen den Terror“.
Aber der 11. September hat in Bolivien auch noch eine andere Bedeutung. Morgen vor einem Jahr fand das sogenannte „Pando Massaker“ statt, der Kulminationspunkt weitläufiger Ausschreitungen und Unruhen im vergangenen Jahr. Damals starteten die oligarchen bis rechten „Bürgerkomitees“ und die Provinzpräfekturen eine Kampagne gegen ein vom Präsidenten organisiertes Referendum, welches armen und indigenen Bevölkerungsgruppen mehr Rechte geben sollte. Die reichen Tieflandprovinzen fürchteten um ihre finanzielle Pfründe und hielten nicht viel von dem „sozialistischen“ und philoindigenen Kurs Evo Morales. Das ging, beziehungsweise geht soweit, dass diese Provinzen sich komplett von Bolivien abspalten wollen.
Letztes Jahr erhofften sich die radikalsten der eben genannten Gruppen ihre Ziele durch Gewalt und Rebellion zu erreichen. Es brach offener Vandalismus aus, es wurde sich bewaffnet und es wurden regierungsfreundliche, linke und soziale Projekte und Büros gestürmt, zerstört und besetzt.
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Arbeitsstelle

Mein Einsatzprojekt und damit meine Arbeitsstelle für die nächsten 11 Monate steht nun fest. Es wird nicht Amnesty International sein, da diese ihr Regionalbüro in Santa Cruz dieses Jahr geschlossen haben. Stattdessen werde ich bei CEJIS arbeiten.
CEJIS ist eigentlich mehr eine sozial-politische Organisation, denn eine Menschenrechtsorganisation. Sie kommt aus Europa und arbeitet vor allem mit den indigenen Bevölkerungsteilen im media luna, dem Tiefland Boliviens, zusammen.
Dabei geht es vor allem darum, den landlosen Bauern zu etwas Land, einen gewissen sozialen und rechtlichen Standard (quasi ein besseres Leben im Falschem) zu verhelfen und ihre Selbstorganisation praktisch zu unterstützen. So hat CEJIS beispielsweise eine juristische Abteilung die Landlosen und Kleinstbauern bei Rechtsfragen (z.B. im Falle staatlicher Repression etc.) vertritt oder eine Abteilung, die Lobbyarbeit bei der Regierung betreibt um dir garantierten Rechte der ärmsten Bevölkerungsteile einzufordern.
CEJIS ist dabei die führende „Menschenrechts“-organisation in Bolivien und hat einen hohen Ruf bei indigenen und sozialen Organisationen. Im konfliktreichem Bolivien ist dies natürlich auch polarisierend, bei einigen Personengruppen ist CEJIS vorsichtig gesagt verschrien, was man u.a. auch daran sehen kann, dass das Büro mit einem hohen, dicken Stahltor geschützt ist, welches man nur nach Authentifizierung via Sprechanlage passieren kann.

Ich arbeite zuerst in der Abteilung „Observatorium“, einer relativ neuen und kleinen Sektion, die sich mit der Sichtung, Katalogiesierung und Archivierung von Presseberichten und relevanten Dokumenten, sowie infrastrukturelle Unterstützung von CEJIS intern und anderen sozialen Organisationen beschäftigt. Konkret gehört dazu u.a. die Ausbildung von Mitarbeitern an technischen Geräten, Bereitstellung von technischer Infrastruktur und das Organisieren von technische Workshops (z.B. wie kommuniziere ich am besten in einem Interview mit Indigenas die beispielsweise ganz andere Definitionen von Kategorien wie beispielsweise Unterdrückung haben) oder die Betreuung der Internetseite.