Tag-Archiv für 'iran'

Wahlen

Am kommenden Sonntag, dem 6. Dezember finden hier in Bolivien die Wahlen für den Präsidenten und das Parlament statt.
Hier alles Wichtige „kurz“ zusammengefasst.
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Einführende Worte zur (radikalen) Linken in Südamerika

Ein Grund für mich ein Auslandsjahr in Südamerika zu machen, war damals auch nicht nur die südamerikanische Gesellschaft (dazu habe ich ja bereits etwas geschrieben), sondern auch ihre sozialen Bewegungen kennen zu lernen. Che und Konsorten kamen ja auch von hier und wo sonst auf der Welt gab bzw. gibt es mehr Elan für die Errichtung des Sozialismus als in Südamerika.
Aktueller Anlass für diesen Text sind u.a. auch die diese Woche stattfindende bolivianische „Sozialistenkonferenz zu Ehren von Che Guevara“ in Vallegrande/Bolivien. Dieser berühmte Antisemit verbrachte bekanntliche seine Kindheit und Jugend hier in Bolivien. Er ist hier Volksheld und es gibt hier auch einige Statuen von ihm. Dass er sagte, dass er nicht zögern würde eine Atombombe auf Amerika zu werfen, wenn er denn eine hätte, scheint hier keinen zu stören und passt auch perfekt in den ideologischen Rahmen der meisten linken Gruppen hier.
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Bolivien und der Iran

Letzte Woche besuchte der Außenminister des Iran Menuchehr Mottaki Bolivien um die wirtschaftlichen Beziehungen zu vertiefen. Diese Kooperation mit dem islamistischen Regime ist nicht neu, sie begann schon Anfang 2007, als Achmadinedschad das südamerikanische Land besuchte und mehrere bilaterale wirtschaftliche Projekte verabschiedet wurden.
Dies ist keine politische Ausnahme, sondern passt perfekt in die antiisraelische und antiamerikanische Politik, welche die sozialistischen Länder Lateinamerikas eint.
Ganz vorne steht Venezuelas Präsident Hugo Chavez, bekannt durch diverse antisemitischen Äußerung und seiner hohen Meinung von Achmadinedschad (Bild).
Um die wirtschaftlichen Beziehungen nicht zu gefährden, eifert ihm nicht nur Evo Morales nach.
Während der Eskalation im nahen Osten Anfang des Jahres fanden in ganz Lateinamerika propalestinänsiche Demonstrationen statt, die Schuld wurde einseitig Israel zugeschoben und ihm als imperialistische Vorhut der USA jedes Recht auf Selbstverteidigung abgesprochen. Bolivien wieß nicht nur den israelischen Botschafter aus, sondern versuchte auch Israel vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zerren.

Hugo Chavez mit seinem Kumpel Achmedinedschad

Berlin und Teheran

So. Morgen beginnt ganz offiziell mein FSJ mit einem Vorbereitungsseminar in Berlin. Ich gehe mal davon aus, dass ich dort auch Internet haben werde. Inhaltlich erwarte ich allerdings nicht sehr viel. Zwar soll es auch um gesellschaftliche Themen und interkulturelle Kommunikation gehen, das Niveu schätzte ich aber, ausgehend vom letzten Seminar, als nicht sehr hoch ein. Wer sich etwas intensiver mit dem Thema interkulurelle Kommunikation beschäftigem will, dem/der empfehle ich Tzetan Todorov – „Die Eroberung Amerikas – Das Problem des Anderen“ vom Suhrkamp Verlag. Auch wenn der Mann nicht ganz unumstritten ist, ist das Buch doch sehr gut und unerlässlich für die Diskussion um das oben genannte Thema. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an meine Lieblings-Doktorantin in Berlin/Wien für das Buch ;)

Und noch was: Anscheind gibt es in letzter Zeit immer eine gute Demo, wenn ich nach Berlin komme. Diesmal möchte ich auch dafür werben. Morgen, am 05. August findet um 18.30 Uhr am Brandenburger Tor in Mitte eine Kundgebung zum Thema „Freiheit statt Islamische Republik! – Solidarität mit der iranischen Freiheitsbewegung – Keine Unterstützung und Anerkennung des iranischen Regimes!“, veranstaltet von der Initiative „Stop the Bomb“ statt. Also wer das ist, soll sich hinbewegen. Ich glaube nicht, dass ich es kann, da mein Seminar um 15:00Uhr losgeht.

Stopp the Islamists!

Listen to this!

Und schon wieder was aus dem Iran. Ich weiß, diese Seite verkommt immer mehr zum Nahost-Blog, aber ich denke das es jetzt wichtig ist, den Iranerinnen und Iranern zur Seite zu stehen. Gegen das totalitäre Regime, was dort vorherscht, sind die Probleme innerhalb der EU ein Witz. Und in so einem Moment, der eine grundlegende Veränderung möglich macht, wie sie die letzten Jahrzehnte undenkbar wären, muss Solidarität das Gebot der Stunde sein.

Zu einem vertiefenden Verständnis der Situation im Iran gibt es hier ein Interview von Radio F.R.E.I mit Stephan Grigat unter dem Titel „Vom Auserwählten zum Gewählten?“

Desweiteren finden in Bremen, Stuttgart, Bochum, Düsseldorf, Berlin, Köln, Hannover, Dortmund, Hamburg, Münster, Nürnberg, Münster und Frankfurt Demonstrationen statt, die wichtig sind, um der iranischen Widerstandsbewegung symbolisch den Rücken zu stärken.
Desweiteren ist es notwendig, auf die Bundesregierung Druck ausüben die Pseudo-Wahl nicht anzuerkennen und uniliterale Sanktionen zu erlassen, die jedwede wirtschaftliche Beziehung zum Iran, bis Veränderungen eintreten, unterbinden.

Ach ja…Das hätt ich beinah vergessen.

In the streets of Teharan

Barrikade

für die einen ist es ein bus, für die anderen die wahrscheinlich größte barrikade der stadt.

HaHa!

via *im moment vorbei*

Unruhen im Iran

Gestern kam es im Iran zu den schwersten Unruhen seit über 10 Jahren. Grund dafür war der Ausgang der Wahlen und der Verdacht auf Wahlbetrug: Nach offiziellen Ergebnissen wurde Amtsinhaber Ahmadinedschad im Amt bestätigt was die Hoffnung auf Lockerungen im islamitischen Regime im Keim ersticken würde. Zurzeit ist es im Iran verboten Alkohol zu trinken, feiern zu gehen, bunte Klamotten anzuziehen und westliche Musik zu hören. Die Frauen leben unter dem Joch der Männer, die Presse ist gleichgeschaltet und die Revolutionsgarden verfolgen all jene die auch nur im kleinen Maße gegen die archaischen Gesetze verstoßen.
Ahmadinedschads Herausforderer Moussavi warb mit vielen Verbesserungen, seine Frau nahm aktiv am Wahlkampf teil, warb für freie Presse und Bürgerrechte und ließ sogar ein buntes Kleid unter ihrem Kleid durchschauen.
Die Aussicht auf weitreichende Reformen trieb die Wahlbeteiligung in die Höhe. Vor allem Studenten und junge Menschen wollten die Möglichkeit zum gesellschaftlichen Wandel nutzen. Als die offiziellen Stellen jedoch durchschauen ließen, das Ahmadinedschad angeblich entgegen der Prognosen weit vorne liege, hatten die Menschen anscheinend genug. Und liefen zu tausenden auf die Straße.

„Ich kann es nicht glauben, seit der Iranischen Revolution vor 30 Jahren haben wir nicht so frei demonstriert“, sagt eine Frau, die im Protestzug mitmarschiert. In ihren Sprechchören setzen die Teheraner den verhassten ehemaligen Monarchen und Präsident Ahmadinedschad gleich: „Egal ob Schah oder Arzt, Diktatoren sind sie beide.“ Dutzende Demonstranten filmen mit ihren Handys: Dieser historische Moment soll festgehalten werden.

Als die Geheimpolizei und Revolutionsgarde die Demonstrierenden angreift, passiert das Unglaubliche. Nach einem Moment des Schockes schlagen die Demonstranten/-innen mit Steinen und Holzlatten zurück:

Doch dann laufen die Menschen plötzlich auseinander: Die gefürchtete Revolutionsgarde fährt mit Motocross-Rädern in die Menge, rammt Menschen, die Männer treten um sich. Polizei zu Fuß knüppelt wahllos auf Unbewaffnete ein. Eine alte Frau wird von Uniformierten zu Boden geschlagen. Journalisten werden mit Schlagstöcken bearbeitet und getreten, auch das SPIEGEL-ONLINE-Team.
Die Polizisten greifen sich junge Männer aus der Menge, zerren sie unter Schlägen zu ihren Bussen. Geheimpolizisten haben die Hand am Gürtel: Jeden Moment können Schüsse fallen.
Die Masse weicht in Seitenstraßen aus, für einen kurzen Moment stehen die Menschen unter Schock. Dann passiert das Unerhörte: Die Demonstranten setzen zum Gegenangriff an. Junge Männer greifen sich Holzlatten, Wahlplakate und schlagen zurück. Alte Frauen hängen sich an die Beine Gefangengenommener, reißen sie der Polizei buchstäblich aus den Händen.
Viele in Iran haben die Gängelei satt
Treibjagden auf Geheimdienstler in Zivil beginnen: „Ihr Verbrecher“, schreien Frauen auf sie ein, während Männer sie zusammentreten. Ein alter Straßenfeger hebt einen Ziegelstein auf, er sieht den Tag der Abrechnung gekommen. Nur mit Mühe halten ihn Umstehende davon ab, sich in die Schlacht zu stürzen.“

via Spiegel gefunden bei waiting

Obwohl die Amtseinsetzung Moussavis zweifellose Vorteile für die dortigen Menschen brächte, grundlegende Veränderungen wären nicht zu erwarten. Nicht nur weil unangenehme Kandidaten für das Präsidentschaftsamt vom Revolutionsrat von vornherein ausgeschlossen wurden, sondern vor allem auch, weil die wahre Macht in dem islamitischen Gottesstaat nicht dem Präsident, sondern dem Revolutionsführer vorbehalten ist. Die Gültigkeit der Scharia und das iranische Atomprogramm blieben auch unter Moussavi unumstritten. Einen wirklichen Wandel würde nur ein grundlegender Umsturz im Lande herbeiführen. Es bleibt also zu hoffen, das der Widerstand im Iran bestehen bleibt, sich radikalisiert und letztendlich Erfolg hat. Neben der Solidarität für die Oppositionellen in Iran, sind auch wirtschaftliche Sanktionen längst überfällig. In diesem Zusammenhang möchte ich auf den Vortrag von Stephan Grigat zu seinem Buch„Der Iran. Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer“ (via Schildkröte) und die Kampagne „STOP THE BOMB“ verweisen. Also anhören --> unterschreiben --> die Menschen im Iran supporten!!!